Dienstag, 13. Januar 2009

Die Binnenkonjunktur ankurbeln!

Ehrlich gesagt, kann ich das Wort "Binnenkonjunktur" langsam nicht mehr hören. Das liegt vor allem daran, dass es zunehmend (und leider auch von unabhängigen, undogmatischen Linken) als Argument für die Erhöhung von Sozialleistungen a la ALG2 in Anschlag gebracht wird. Das finde ich nicht nur falsch, sondern als zeitweiliger Empfänger solcher Leistungen auch entwürdigend. Tut mir leid, aber ich habe nicht die geringste Lust mich als Treibstoff für den Konjunkturmotor instrumentalisieren zu lassen.

Das bedeutet nicht, dass ich mit dem gegenwärtigen Zustand, der Höhe der Zahlungen oder der Bedingungen die an die Gewährleistung solcher "Transferleistungen" geknüpft sind einverstanden wäre. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Aber die Argumentation sollte doch anders aufgebaut sein und nicht "konjunkturabhängig", denn dieses "Argument" wäre spätestens, sobald die Konjunktur wieder "Fahrt aufgenommen" hat passé und würde niemandem mehr einleuchten.

Außerdem zeigt sich, dass wer so argumentiert, im Grunde längst vor dem Anspruch "der Marktwirtschaft", nicht nur eine Wirtschaftsform unter oder neben anderen, sondern zugleich die Gesellschaftsform der Moderne schlechthin zu sein, kapituliert und - bewusst oder unbewusst - die Frage, ob der Markt für die Menschen oder die Menschen für den Markt da sein sollen, zu Gunsten des Marktes vorentschieden hat.

Unter "Binnenkonjunktur" versteht man Summe der inländischen Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern. So weit so gut. Was dabei nicht gesagt wird ist, dass es sich dabei natürlich nur um den über Märkte laufenden Warenverkehr handelt und nicht etwa die Gesamtheit wirtschaftlicher Aktivität berücksichtigt wird. Das lässt sich leicht bebeispielen: Habe ich einen Obstgarten und verkaufe meine Ernte auf dem Markt, dann beleben diese Transaktionen die Konjunktur. Kaufe ich dann für den Erlös an anderer Stelle anderes Obst, dann belebt das die Konjunktur sogar noch mehr. Verzehre ich meine Ernte hingegen selbst oder verschenke sie, dann lahmt die Konjunktur, obwohl sich im Grunde nichts geändert hat. Beauftrage ich aber ein Unternehmen damit, alle meine Obstbäume abzuholzen, den Obstgarten mit einer Betonschicht zu versehen und somit jede weitere Produktion (von Obst) zu unterbinden, dann belebt diese Maßnahme die Konjunktur, weil wieder einmal Geld über den Markt geflossen ist und Kaufkraft den Besitzer gewechselt hat.

Ich hätte hier gerne mehr und Gescheiteres geschrieben, habe mir aber leider eine Erkältung eingefangen, die meinen Gedankenfluss doch merklich hemmt. Deshalb abschließend nur noch ein Beispiel aus den siebziger Jahren, das uns zeigt, wie einfach es doch sein kann, die Konjunktur anzukurbeln und Arbeitsplätze zu sichern, sofern man sich auch für den grössten Stumpfsinn nicht zu schade ist, sobald er nur geeignet scheint, der lahmenden Wirtschaft auf die Beine zu helfen.



;-)


6 Kommentare:

chriwi,  13. Januar 2009 um 07:11  

Du hast schon recht. Die Wirtschaftskraft wird nicht gemessen an dem was erwirtschaftet wird, sondern an dem Geld das fließt. Aus diesem Grund waren Island und die Schweiz unser aller Vorbild. Viel Geld ist geflossen und nun zerflossen. Waren wurden nicht geschaffen. Man sollte viel mehr die wirtschaftlichen Modelle hinterfragen und vor allem die eigentlichen Ziele einer Wirtschaft.

klaus baum 13. Januar 2009 um 14:17  

Falls in Deinen Überlegungen irgendein Bezug zu meinem "Erfahrungsbericht" hinsichtlich der guten, alten ABM-Stellen enthalten sein sollte, so war ich beim Verfassen meines Berichtes nahe daran, hinzuzufügen, daß meine Argumentation systemimmanent, also im Sinne immanenter Kritik gedacht ist.
Heute finde ich in einem SPD-Wahlwerbungs-Blatt den Hinweis, daß Roland Koch während seiner Amtszeit viele gemeinnützige Vereine durch Mittelstreichung ausgetrocknet hat. Meine Argumentation zielt darauf ab, wenn hierzulande schon von Konjunkturprogrammen die Rede ist, die hier und jetzt nötig wären, dann hat vor allem die Politik selber durch ihr staatlich verordnetes Armutsprogramm wesentlich daran mitgewirkt, daß die Binnenkonjunktur so im Argen liegt.

Kurt aka Roger Beathacker 13. Januar 2009 um 15:35  

Lieber Klaus,
das Thema bewegt mich schon etwas laenger , aber ich fand nicht die richtigen Worte und vielleicht habe ich sie immer noch nicht gefunden.

Allerdings hat Dein Artikel mit dazu beigetragen, dass ich nun wenigstens ein paar Zeilen zu dem Thema losgeworden bin. Diese sind aber ausdruecklich nicht als Kritik an Deinem Artikel zu verstehen. Den finde ich naemlich gut. Und Deine Argumentation laeuft im Grunde ja auch andersherum: weil man den Leuten die Bezuege gekuerzt und die Moeglichkeiten beschnitten hat, hat das jetzt Auswirkungen auf die Konjunktur.

Das ist schon etwas anderes als zu sagen: gebt denen mehr Geld, denen man es sofort wieder abnehmen kann, damit die Konjunktur in Gang kommt. Und ueber diese Lesart bin ich in letzter Zeit zu oft gestolpert. Der Grat auf dem man da wandelt ist recht schmal und man muss aufpassen, dass man nicht selbst mal aus Versehen ins falsche Horn stoesst. Das wollte ich deutlich machen - auch mir selbst.

klaus baum 13. Januar 2009 um 22:13  

>>Der Grat auf dem man da wandelt ist recht schmal und man muss aufpassen, dass man nicht selbst mal aus Versehen ins falsche Horn stoesst.<<

Ich glaube, das ist genau der Punkt. Der andere wird sein: Man kann die Menschen nicht zur Wahrheit prügeln. Leider ist es allerdings so, wie die Nachdenkseiten über die Lernprozesse gewisser Wirtschaftsprofessoren schreiben, die meinungsbildend wirken:
hier finden Lernprozesse auf Kosten von uns allen statt.

klaus baum 13. Januar 2009 um 22:16  

hier noch der nachgereichte link:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3700#more-3700

dort unteer punkt 1.

www.flickr.com


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