Mittwoch, 30. April 2008

Bedingungsloses Grundeinkommen

Zur überarbeiteten Fassung vom 27.01.2009 (Klick!)

Wenn ich schon nicht oft schreibe, dann wenigstens lang, dafuer aber (im Folgenden) ausnahmsweise mit deutschen Umlauten. ;-)

Lohn und Einkommen
Ich wills mal mit Marx einleiten: Damit Menschen (überhaupt) als Menschen leben können, müssen sie ihre Lebensmittel selbst produzieren. Nur um zu überleben, muss aber gerade heute nicht mehr (im Sinne von Produktion) unbedingt von jedermann gearbeitet werden. Man kann auch arbeitslos ganz gut durchs Leben kommen und es z.B. durch Raub, Betrug oder Übervorteilung sichern. Vor allem aber muss man dann nicht von seiner eigenen Produktivität leben, wenn man Mittel und Wege findet, sich der Arbeitskraft anderer zu bemächtigen.

Es gilt also zunächst einmal mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass ein jeder von seiner (physisch) eigenen Arbeit leben würde oder müsste. Alle leben von Arbeit - das ist klar - aber damit ist eben noch nicht gesagt, dass alle von ihrer je eigenen Arbeit leben und auch nicht, dass jeder, der arbeitet, auch in den vollen Genuss der Früchte seiner Arbeit käme. Trotzdem wird an dem Paradigma, dass im wesentlichen jeder auch den Lohn erhalte, den er verdiene, eisern festgehalten. Was aber versteht man überhaupt unter "angemessenem Lohn"? Wonach wird dieser Lohn berechnet - nach der aufzuwendenden, geleisteten Arbeit oder nach anderen Kriterien? Gibt es hier überhaupt objektive Kriterien? Ist es nicht sogar so, dass der gezahlte Lohn immer nach einem Minimalprinzip zugestanden wird, d.h. dass er auf die tatsächlich geleistete Arbeit gar keine Rücksicht nimmt, sondern nur darauf abzielt, möglichst viel Arbeit für einen möglichst niedrigen Preis einzukaufen?

Ein häufig gegen das bedingungslose Grundeinkommen vorgebrachter Einwand lautet etwa: "Kaum jemand würde noch niedere, wenig attraktive Arbeiten verrichten, wenn er auch ohne sie ein Einkommen hat". Ein Beweis für diese These kann freilich nicht erbracht werden, denn dazu mangelt es schlicht an empirischen Beispielen. Allerdings kann man eines sicher annehmen: niemand würde irgendeine unattraktive Tätigkeit dann noch zu einem (zu) niedrigen Preis ausüben wollen - und das zu Recht. Es geht freilich ohnehin kaum wirklich darum, ob Menschen (überhaupt) arbeiten oder produktiv sind oder nicht, sondern um die "Gefahr", dass sich womöglich nur noch sehr wenige bereit finden könnten, für andere (genauer: für deren - höhere - Einkommen) zu arbeiten - respektive ihre Arbeitskraft an den nächstbesten "Arbeitgeber" zu Niedrigstlöhnen zu verschleudern. Nicht ohne Grund wird ja nicht jede produktive menschliche Tätigkeit auch als "Arbeit" gewertet. Tätigkeiten aus denen Dritte keine unmittelbaren Gewinne "erwirtschaften" können, fallen seit je aus der Statistik (Haushalt, Kindererziehung usw.).

Einkommen können mithin nur gesellschaftlich generiert werden. Aus rein privater Tätigkeit kann vielleicht Subsistenz gesichert, niemals aber ein Einkommen erworben werden. Um ein "privates" Einkommen erzielen zu können, muss ein Teil der je privaten Tätigkeit sich in gesellschaftliche Tätigkeit wandeln, es muss zum Austausch von Produkten kommen, wozu sich die Produkte (nach Marx) in Waren zu wandeln haben und es muss, um das Tauschverfahren auf Permanenz zu stellen, einen Repräsentanten für gerade nicht vorhandene/benötigte/verfügbare Produkte geben: Geld. Geld ist eigentlich nichts anderes als ein allgemein einlösbares Versprechen, ein Produkt oder eine Leistung im Austausch für eine bereits erbrachte (vorgeschossene) Leistung zu erhalten (bei Marx: W-G-W). Den Anspruch hat, wer das Geld besitzt und zwar ganz unabhängig davon, wer etwa die jeweilige vorgeschossene Leistung tatsächlich erbracht hat. Dass es beim Tauschen allerdings keineswegs (immer) mit rechten Dingen zugeht, darauf verweist schon die Herkunft des Wortes:
tauschen: Die nhd. Form tauschen geht zurück auf mhd. tüschen "unwahr reden, lügnerisch versichern, anführen", eine Nebenform von gleichbed. mhd. tiuschen (vgl. Täuschen). Die heute allein übliche Bed. "Waren oder dgl. auswechseln, gegen etwas anderes geben", in der das Verb zuerst im 15. Jh. bezeugt ist, hat sich demnach aus "unwahr reden, in betrügerischer Absicht aufschwatzen" entwickelt. Aus dem Verb zurückentwickelt ist das Substantiv Tausch m (16. Jh.) Beachte dazu die Zus. Tauschhandel (18. Jh.) und die Präfixbildung vertauschen "irrtümlich oder unabsichtlich auswechseln" (mhd. vertüschen "umtauschen; in der heutigen Bed. um 1700).
Duden Etymologie. Bibliographisches Institut. Mannheim 1963. S. 703
Ziemlich passend dazu, lesen wir über die Phase von 1492 bis 1700:
Das Bürgertum in den Städten gewinnt durch Gewerbefleiß und Handel an Reichtum, Macht und Bildung. Frühkapitalismus in Deutschland: Bergbau und Großhandel (die Geschlechter der Fugger und Welser in Augsburg).
Dr. Karl Ploetz. Auszug aus der Geschichte. A.G. Ploetz Verlag, Würzburg 1960. S.723
Was sich aus solchen Zitaten freilich nicht erhellt, ist: in welchem Umfang je der Fleiß (und: wessen Fleiß) und der Handel am wachsenden Reichtum des Bürgertums ihren Anteil hatten - auch wird nicht unterschieden zwischen händlerischer Umtriebigkeit und "fleißiger" (wenngleich für manchen wohl vergeblicher) produktiver Tätigkeit im engeren Sinne. Auch ein Roßtäuscher kann seinem Gewerbe immerhin mit großem "Fleiß" nachgehen. Der Sieger schreibt die Geschichte, verweist auf den Erfolg (als solchen) und schreibt (ihn) sich gut. Und wie sollte die bürgerliche Geschichtsschreibung etwas anderes sein können, als die Geschichte von Krämern: was am Ende zählt, ist allein der Saldo.

Tausch und Täuschung
Nach wie vor, wird im "Tausch" vornehmlich ein asymmetrisches Wechselverhältnis ausgedrückt. Im Tausch wechseln verschiedene Objekte ihren Platz (In einer Gesellschaft von Eigentümern abstrakt: ihren Eigentümer) und werden dabei ungeachtet ihrer eigentlichen (unmittelbaren) Unvergleichbarkeit als äquivalent betrachtet. Wirkliche Äquivalenz gibt es ohnehin nur auf quantitativ abstrakter Ebene: Ein Kilo Blei ist einem Kilo Brot äquivalent, insofern als beide das gleiche Gewicht einer unabhaengig von ihnen und ihrer verschiedenen Beschaffenheit definierten Grösse namens Kilogramm aufweisen. Damit ist die Äquivalenz aber auch schon erschöpft. Hier kommt nun die Metaphysik im Gewande der Rationalität ins Spiel: wir tauschen nicht (was ihre materielle Beschaffenheit angeht) äquivalente Waren, sondern äquivalente "Werte". Ein empirischer Wert (eine Größe oder Menge) drückt sich im Ergebnis einer Messung (i.e. des Vergleichs eines Aspektes einer Sache mit einer festgesetzten Skala, die unabhängig der mit ihr zu messenden Gegenstände definiert wird) aus. Man misst z. B. die räumliche Ausdehnung eines Gegenstands, indem man ihn mit der Länge eines Maßstabs vergleicht. Ein solcher Maßstab kann eine Elle sein, ein Zoll ein Meter usw. Es muss aber Einigkeit über die zu verwendende Maßeinheit herrschen und sie muss angegeben sein: "Dieses Brett ist ein (Meter) lang." - "Unsinn es misst zwei (Ellen)." - So geht das eben nicht. Um einen physischen (empirischen) Wert zu ermitteln, muss er also messbar sein und es muss einen eindeutig definierten Maßstab geben und: dieser Maßstab muss selbst die zu messende Eigenschaft aufweisen, d.h.: er muss eine Länge besitzen, wenn man eine Strecke messen will, ein Gewicht, wenn man etwas wiegen will usw. In Hinsicht auf den Zweck ist der jeweilige Maßstab eigentlich ganz und gar als nur diese eine Eigenschaft zu betrachten (wie z.B. das handgreifliche "Gewicht", das bei einer Balkenwaage Verwendung findet). Mit diesen Maßen allein lässt sich freilich schwer Handel treiben - welcher Bäcker z.B. möchte schon für sein Kilo Brot ein Kilo Wackersteine erhalten? Und welchen "objektiven" Maßstab könnte man an menschliche Lebenszeit anlegen? Man vergleicht (misst) Strecken mit Strecken, Gewicht mit Gewichten - aber kann man (Lebens-arbeits-)Zeit "exakt" mit Geld messen?

Man arbeitet nicht allein "für sich".
In einer halbwegs entwickelten, komplexen, arbeitsteiligen Gesellschaft ist es natürlich ganz fraglos so, dass praktisch jeder für andere arbeitet und zwar konkret für alle anderen, so wie letztlich alle anderen für ihn arbeiten, denn es ist praktisch unmöglich geworden, dass alle einzelnen sich komplett aus ihren je individuellen Tätigkeiten unmittelbar reproduzieren. Der Fehler im System ist aber dieser: dass eine Minderheit von Menschen den Überschuss, der von der Gesamtheit der Arbeitenden erzeugt wird, exklusiv abzuschöpfen in der Lage ist und infolgedessen überdies der Mehrheit die Bedingungen, zu denen sie zu arbeiten hat, diktieren kann. Damit das überhaupt möglich ist, bedarf es einer Grundbedingung in Form der Möglichkeit, die je verausgabte Arbeitskraft durch einen Bruchteil dieser Verausgabung wiederherzustellen. Der zweite Schritt ist dann: dem Arbeitenden jeweils nur soviel auszuhändigen, wie er zu seiner eigenen Reproduktion unbedingt benötigt und den Rest abzuzweigen und einzubehalten. Hier ist anzumerken, dass zur Reproduktion mehr gehört, als nur ausreichende Ernährung, Bekleidung und ein Dach über dem Kopf; auch die je eigene Position im Sozialgefüge will ständig reproduziert sein. Es ist also wichtig festzustellen, dass das je notwendige Existenzminimum nicht etwa auf "natürlicher" Basis festgelegt werden kann, sondern sich immer aus den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen ergibt, es also keineswegs als hinreichend angesehen werden darf, dass "bei uns niemand verhungern muss".

Um dieses System ungleicher und letztlich unverhältnismäßiger Verteilung in Gang zu halten, darf die Mehrheit niemals so gut entlohnt werden, dass etwa jedermann von weiterer unzureichend vergüteter Tätigkeit einmal Abstand nehmen könnte, ohne dabei Gefahr zu laufen, wenn schon nicht das nackte Leben zu riskieren, so doch wenigstens seinen sozialen Status einzubüssen. Kurz und gut: es geht um die Produktion und die Möglichkeit der exklusiven Aneignung von Mehrwert. Würde dieser Mehrwert an diejenigen, die ihn erzeugen, ausgeschüttet, wären sie der Notwendigkeit im gewohnten Umfang arbeiten zu müssen ledig - und damit: frei - auch frei dazu, ihre bisherige Tätigkeit aufzugeben und weiter: ihre sozialen Bedürfnisse menschlich und nicht marktförmig zu gestalten, ihre Tätigkeiten an ihren eigenen Interessen auszurichten und nicht an von Dritten oktroyierten Zwängen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist letztlich nur die Forderung, diesen Mehrwert auszuschütten, respektive ihn anders und fairer zu verteilen, statt ihn denjenigen die ihn schaffen zu entziehen und exklusiv zu akkumulieren. Der Stand der Produktivkräfte erlaubt schon seit geraumer Zeit, mit einem Minimum an menschlicher Arbeit eine extreme Mehrwertrate zu erzeugen. Das heißt: es wird soviel Überschuss erzeugt, dass man es sich buchstäblich nicht mehr leisten kann, alle verfügbare menschliche Arbeitskraft zu mobilisieren, denn:
  • setzt man auf "Vollbeschäftigung" und steigert die Produktion entsprechend, dann fallen, durch das Überangebot bedingt, die Preise für die erzeugten Güter und die Mehrwertrate sinkt.
  • verteilt man die Arbeit um, so dass alle arbeiten können, aber eben weniger (oder weniger produktiv) arbeiten müssten, dann steigert man die Produktionskosten und die Mehrwertrate sinkt ebenfalls.
Nun gibt es noch eine ganze Reihe von wünschenswerten Tätigkeiten, aus denen aber kein (oder: noch kein) Mehrwert generiert werden kann. Man denke z.B. an Erziehung, Bildung etc. Im Prinzip alles das, was entweder aus dem Anteil des Mehrwerts finanziert werden muss, der in Form von Steuern dem Staat zufließt oder aber in die verbliebenen Reste einer "rein" sozialen Sphäre fällt und innerhalb von Familien oder anderen (Lebens-) Gemeinschaften ohne monetäre Vergütung erledigt wird. Dieser Teil wird aber nach allen Regeln der Kunst so klein als möglich gehalten (Stichwort: Unternehmenssteuerreform). In den vergangenen 50 Jahren ist der Anteil derjenigen Steuern die aus abhängiger Arbeit abgeführt wurden, gegenüber dem Teil der aus Einkünften aus Vermögen stammt, ständig gestiegen und das bei abnehmender Beschäftigungsrate und bei steigenden Einkünften aus Vermögen. D.h. eine privilegierte Minderheit erzielt immer größere Einkommen, ohne dass sie dafür noch (selbst) arbeiten müsste. Und bei der zur Arbeit "verurteilten" Mehrheit häuft sich zunehmend die Zahl derer, denen man abverlangt "für sich selbst zu sorgen", ohne dass sie dazu überhaupt eine reelle Chance hätten. Solange sich an dieser Situation nichts ändert, bleibt so oder so kein anderer Weg als die "Überflüssigen" auf diese oder jene Weise zu alimentieren. Die gängige Strategie kennen wir ja, man gibt ihnen ein schmales Almosen (Hartz IV) und ein ordentliches Pfund Schuldgefühl indem man ihnen weiter einhämmert, dass wer nicht arbeitet, (eigentlich) auch nicht essen soll.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist kein "Lohn", sondern ein Recht.
Es heißt "Bedingungsloses Grundeinkommen" und nicht etwa "Bedingungsloser Grundlohn" und das impliziert, dass es sich bei dieser (noch hypothetischen) Einrichtung eben nicht um eine Leistungsvergütung ohne (Gegen-) Leistung handelt, und man sollte es deshalb vielleicht auch nicht als eine Art "Lohnersatz" diskutieren, sondern als ein Recht. Dazu gleich mehr. Zunächst noch ein Hinweis zu Einkommen im allgemeinen: Ich habe weiter oben bereits angedeutet, dass mitnichten alle Einkünfte aus eigener Arbeit stammen, sondern dass es auch einen gewissen (wachsenden) Teil an Einkünften aus Vermögen gibt, der als etwas ganz selbstverständliches angesehen wird. Kaum jemand würde (zumindest gegenwärtig) auf die Idee kommen, solche Einkünfte abschaffen zu wollen, da sie die von solchen Einkünften Begünstigten ja vielleicht vom arbeiten abhalten könnten.Und obgleich diese Einkommen zum Teil sehr beträchtlich sind, machen sie meist nur einen Teil der gesamten Einkünfte einer Person aus - es gibt also hinreichend Beispiele, dafür, dass Leute dauerhaft irgendeiner Arbeit (oder was man so dafür hält) nachgehen, ohne dass sie durch ihre wirtschaftliche Lage dazu gezwungen wären. Der Hinweis, dass auch noch andere (und vielleicht sogar: schwerwiegendere) Gründe als nur monetäre gibt, einer Erwerbs-Arbeit nachzugehen, scheint also berechtigt. Zum anderen wirft dieser Umstand die Frage auf, warum man z.B. aus einem "privat" ererbten Aktienpaket, also einen privaten Anteil am Produktivvermögen, arbeitslose Einkünfte erwerben, darf, nicht aber aus einem "Erbteil" am gesellschaftlich erwirtschafteten, folglich eigentlich gemeinsamen Vermögen?

"Wer erbt, arbeitet nicht ..."
Das BGE ist also keine Lohnersatzleistung, macht dedizierte Lohnersatzleistungen aber weitgehend überflüssig (man könnte immer noch über Versicherungen gedeckte zusätzliche Leistungen anbieten) - es würde praktisch alle nicht versicherungsfinanzierten Sozialleistungen einheitlich abdecken bzw. überflüssig machen. So z.B. Kindergeld, BaFöG, Sozialhilfe (heute Sozialgeld), das sog. ALG II, usw., aber auch etliche heute noch versicherungsfinanzierte Leistungen wie z.B. Arbeitslosengeld I würden entbehrlich. Damit entfiele zugleich mit einem Schlag der ganze derzeit mit diesen Leistungen noch verbundene bürokratische Aufwand. Das würde freilich, wie anzunehmen ist, zumindest zunächst die "Arbeitslosenquote" weiter in die Höhe treiben, denn es würden ja jede Menge "Arbeiten" überflüssig, vor allem solche, die überhaupt erst infolge der gegenwärtig geltenden repressiven Regelungen "geschaffen" wurden; angefangen beim bürokratischen Ueberbau bis hin zu den zahllosen, oft ziemlich fragwürdigen "Bildungsträgern", deren Hauptaufgabe eben nicht die Bildung der gerade Erwerbslosen ist, sondern hauptsächlich darin besteht, die Arbeitslosenstatistiken aufzuhübschen. Damit wäre aber auch - jedenfalls ist davon auszugehen - eine zusätzliche Nachfrage nach Tätigkeiten in anderen Sektoren des Arbeitsmarktes entstehen.

Selbst für den Bereich der niedrig entlohnten Tätigkeiten wäre ein solches Grundeinkommen m.E. keineswegs hemmend - im Gegenteil: es gab schon immer, und es gibt sie nach wie vor, Tätigkeiten, die so niedrig vergütet werden, dass ein Anspruch der sie Ausübenden auf sog. "ergänzende Sozialleistungen" besteht. Mit anderen Worten: es gab und gibt längst Menschen, die irgendeinen Scheißjob für einen Hungerlohn machen, obwohl sie auch ohne zu arbeiten das gleiche Einkommen erzielen könnten. Hier würde sich folglich gar nichts ändern, außer dass der bürokratische Overhead wegfiele und die in entsprechenden Bereichen Tätigen über ein insgesamt wenigstens halbwegs anständiges Einkommen verfügen könnten. Weiters ist ein solches Grundeinkommen ohnedies niedrig genug, als dass sich davon nennenswerte Beträge ansparen ließen, d.h. diese Gelder müssten praktisch in vollem Umfang ständig wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen und wer nach mehr als einem nur auskömmlichen Dasein verlangt, der wird dieses über ein zusätzliches Erwerbseinkommen erarbeiten müssen. Es ist also kaum anzunehmen, dass sich eine wirklich nennenswerte Zahl von Menschen mit einem Einkommen in der Höhe dieses Grundeinkommens (je nach Konzept zwischen 600 - 1500 Euro monatlich) zufrieden geben würde. Immerhin: es setzte einen jeden in den Stand jederzeit "Nein!" sagen zu können, ohne dass er dabei irgendwelchen Repressionen zu fürchten hätte. Es geht nicht um Spaß und Freude an dieser oder jener Arbeit, sondern um eben diese Möglichkeit "Nein!" sagen zu können. Es geht um ein Stück Freiheit.

Was sich mithin entscheidend ändern würde, wäre die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit gerade derjenigen, für die die Wirtschaft zeitweilig oder dauerhaft keine Verwendung hat. Es wäre z.B. jedermann möglich auf Teilnahme am Arbeitsleben vorübergehend zu verzichten und stattdessen ein Studium zu beginnen oder sich sonstwie zu bilden oder zu qualifizieren; man könnte sich aber auch frei dafür entscheiden, irgendwelche Arbeiten auszuführen, die sonst nicht zu finanzieren wären (z.B. im sozialen Bereich) usw. Niedrig dotierte Jobs würden wie oben gezeigt vermulich keineswegs an "Attraktivität" verlieren - im Gegenteil: selbst ein gleichbleibend niedriges Salär in Verbindung mit dem BGE, würde ja bereits eine deutliche Anhebung des jeweiligen Einkommens bewirken.

Was mich immer schon stutzig macht, ist: dass der massivste Widerstand gegen das BGE oft von Leuten kommt, die es selbst eigentlich gar nicht nötig hätten gegen Entgelt zu arbeiten, da sie auch von den Erträgen ihrer Vermögen sehr gut leben könnten, von Menschen also, die im Grunde selbst geradezu der performative Widerspruch zur von ihnen vertretenen These, dass die Leute nur arbeiten würden, wenn wirtschaftliche Not sie hinreichend zwingt, sind. Offenbar hält man hier die eigene Gier - obgleich man sie andererseits gern als eine allgemeine menschliche Eigenschaft unterstellt (Tenor: "nicht nur Zumwinkel hinterzieht Steuern und bescheißt den Staat, auch "kleine Leute" haben reichlich Dreck am Stecken!" usw.) - insgeheim doch eher für eine Ausnahmeerscheinung oder - als eine Art "Nachbeben" der "protestantischen Ethik" (Max Weber) - für ein seltenes Zeichen göttlicher Gnade.

So weit so gut. Man sollte das BGE also nicht als eine Lohnersatzleistung auffassen, sondern als ein Recht. Als ein neuformuliertes Eigentumsrecht als ein Recht auf ein Einkommen aus etwas, wie es z.B. MacPherson bereits vor dreißig Jahren einleuchtend formuliert hat:
"Ich möchte jetzt behaupten,
(1) daß der heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Eigentumsbegriff überwiegend eine Erfindung des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts ist und daß er nur einer autonomen kapitalistischen Marktgesellschaft voll angemessen ist: es ist der Begriff des Eigentums als (a) identisch mit Privateigentum - ein individuelles (oder korporatives) Recht, andere vom Gebrauch oder Nutzen von Etwas auszuschließen; (b) eher ein Recht an materiellen oder auf materielle Dinge, denn ein Recht auf ein Einkommen (und im allgemeinen Sprachgebrauch, sogar verstanden eher als die Dinge selbst denn als die Rechte), (c) das hauptsächlich die Funktion hat, einen Anreiz zur Arbeit zu geben sowie (oder eher als) ein Instrument zur Ausübung menschlicher Anlagen zu sein.

(2) Daß dieser Eigentumsbegriff sich schon zu wandeln begonnen hat, was zu nächst sichtbar wird im Hinblick auf (b): Eigentum wird zunehmend wieder als ein Recht auf Einkommen verstanden; und daß dies für die meisten Menschen jetzt bestehen muß in einem Recht, sich ein Einkommen zu verdienen, was einem Recht des Zuganges zu den Arbeitsmitteln gleichkommt.

(3) Daß jede Gesellschaft, die den Anspruch erhebt, demokratisch zu sein (d.h. jedem einzelnen gleichermaßen die Möglichkeit zu geben, seine menschlichen Anlagen zu verwenden und zu entwickeln) anerkennen muß, daß Individualeigentum zunehmend in dem individuellen Recht bestehen muß, nicht vom Zugang zu den Arbeitsmitteln ausgeschlossen zu werden, die sich heute in korporativem oder staatlichem Besitz befinden: daß also eine demokratische Gesellschaft den Begriff von Eigentum als einem Recht des einzelnen, andere auszuschließen, wieder erweitern muß, indem sie ihm Eigentum als ein Recht des einzelnen, nicht von anderen ausgeschlossen zu werden, hinzufügt.

(4) Daß der Begriff von Eigentum als Recht des Zugangs zu Arbeitsmitteln (im engeren Sinne von Arbeit, die materieller Produktion dient) überholt sein wird, wenn und in dem Ausmaß wie die technologische Veränderung heutige Arbeit weniger notwendig macht; daß der Begriff (und die Institution) von Eigentum, soll er mit einer wirklichen Demokratie vereinbar sein (einschließlich jeder wirklich liberalen Demokratie), sich vom Zugang zu den Arbeitsmitteln zum Zugang zu den Mitteln für ein vollkommenes menschliches Leben wandeln und daß er daher werden muß: (a) ein Recht auf Teilhabe an politischer Macht, um die Verwendungsweisen des akkumulierten Kapitals und der natürlichen Ressourcen der Gesellschaft zu kontrollieren und (b) darüber hinaus ein Recht auf eine Art von Gesellschaft, ein Gefüge von Machtrelationen innerhalb der Gesellschaft, die für ein vollkommen menschliches Leben wesentlich sind."
C.B. Macpherson. Demokratietheorie. Verlag C.H.Beck. München 1977. S.198f.
Was steht der Einführung eines BGE im Wege?
Die herrschende Ideologie beruht auf Grundannahmen, wie der, dass das Leben nicht gratis sein dürfe, sondern etwas kosten müsse. Was kostet denn das Leben? Das Leben "kostet" sich selbst. (das Wort "kostet" darf, nein: soll hier ruhig im doppelten Sinne verstanden werden). Arbeit vergüten, heißt unter gegenwärtigen Bedingungen: Leben in Geld zu verwandeln, das wiederum in Leben verwandelt wird. Der "Wert" der Arbeit kann also schlecht am Produkt gemessen werden, das durch sie geschaffen wird, denn weder ist jede Tätigkeit, die monetär abgegolten wird, auch eine produktive Tätigkeit, noch wird jede Form produktiver Tätigkeit entgeltlich vergütet. Es ist allerdings so, dass jede Arbeit, die monetär entlohnt wird (gleich ob sie der Sache nach produktiver oder destruktiver Natur ist), letztendlich einen reproduktiven Charakter hat, indem sie dem Arbeitenden seine eigene Reproduktion ermöglicht. Der eigentliche Zweck einer jeden Arbeit ist m.E. jedoch der Erhalt des je eigenen Lebens über ein Leben in Arbeit hinaus. D.h.: die (Erwerbs-) Arbeit ist da, um ihrer weitestgehend ledig zu werden. Wäre das anders, dann hätte wohl nie jemand für die Einführung der 5-Tage/40-Stunden-Woche votiert. Mit anderen Worten: die wirklich freie Tätigkeit des Menschen (und damit sein eigentliches Leben) beginnt stets erst jenseits der zum Leben notwendigen Tätigkeit oder, wie es Ernst Bloch formulierte: "Als letzthin freies wurde stets ein Leben jenseits der Arbeit gemeint."

Man kann sich unter gegebenen Bedingungen aber praktisch keine Freiheit "erarbeiten". Es mag sein, dass sich einzelne aus ihrer Unfreiheit herausarbeiten können - wäre das aber eine allgemein realisierbare Option, dann bräche das System zusammen - denn es lebt davon, dass die Mehrzahl der Beteiligten in ökonomischen Fesseln liegt; diese kann man zwar hie und da lockern, entfernen aber darf man sie nicht. Es geht schließlich nicht darum, dass Menschen überhaupt einer Arbeit nachgehen, sondern darum, dass viele Menschen für wenige andere arbeiten. Kurz: dass eben (wie es im Falle realisierter Freiheit der Fall wäre) nicht jeder machen kann, was er will - aber manche eben schon. Es ist der Horror derjenigen die heuer oben auf sind, dass es ein solches "oben" einst nicht mehr geben könnte - und mit diesem Horror einher geht die alte Arroganz derer, die zu ihrer eigenen Rechtfertigung aus ihrem Obenaufsein herleiten, dass es Menschen gebe, die zur Freiheit nicht fähig - früher unverblümt: zum Sklaven geboren (Aristoteles) - seien. Der Unterschied ist nur, dass sich das, was früher als unverhohlene Unterdrückung zu Tage trat, sich gegenwärtig als "Fürsorglichkeit" zu tarnen trachtet. Die "Freiheit" von Menschen darf aber nicht von Bedingungen abhängen, die andere Menschen erst diktieren. Die Realität ist nach wie vor, dass die Mehrzahl seit jeher nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern auch für Vermögen und/oder Kapital anderer zu arbeiten gezwungen ist. Das ist aber nicht - wie hier offenbar angenommen wird - ein objektiv unvermeidlicher Zwang, sondern ein vermeidbarer, der mit der Ideologie, auf der er aufruht, fallen müsste. Solange aber mehrheitlich für Recht gehalten wird, was nur wenigen (Vor-) Recht sein kann, wird sich an den bestehenden (Zwangs-) Verhältnissen nichts ändern.

Nachtrag (14.05.2008)
Hier geht es weiter. (Klick!)

15 Kommentare:

Anonym,  1. Mai 2008 um 16:46  

Danke! M.E. gut hergeleitet!

Ich habe unter
http://aktuelles.archiv-grundeinkommen.de/
einen Link auf diesen Artikel gesetzt.
wr

Anonym,  8. Mai 2008 um 22:02  

Danke, sehr aufschlussreicher Text! Es gibt wohl kein besseres Manipulationsmittel, als die permanente Angst um seinen Arbeitsplatz - das Kapital steuert die Arbeitslosenzahlen!
Gruß

Anonym,  14. Mai 2008 um 12:26  

Sehr lesenswerter Artikel, danke dafür und weiter so!

Jan 5. Juni 2008 um 12:34  

Schöne Theorie aber für meinen Geschmack zu visionär und das in eine fatale Richtung.

1. Führt ein Grundeinkommen für jedermann nicht zu einer Inflation? Denn es arbeitet ja keiner für lau, nur weil er es sich leisten könnte. Wenn ich aber meine, sagen wir, 1000 Euro im Monat so oder so habe, dann geh ich sicher nicht für weitere 500 arbeiten, sondern gucke, dass ich mit den 1000 klar komme (komm ich, habe im Moment deutlich weniger und das geht prima) und mach in der Zeit was immer ich für richtig halte.
Ich unterstelle, das ich da kein Einzelfall bin und dementsprechend ein Mangel an Arbeitskräften auftreten könnte. Das führt zu besseren Angeboten auf dem Arbeitsmarkt, die Löhne werden so lange hochgeschraubt, bis Firmen entweder pleite sind oder selbst faule Säcke wie ich arbeiten gehen.
letzteres verteuert natürlich Produkte und befeuert so die Inflation. Oder nicht?

2. Schafft dass den Sozialstaat und jeden sozialen Hintergrund der Gesetzgebung ab. Jeder kriegt Kohle, scheißegal ob er sie braucht. Bedürftigkeit und Armut wird nicht bekämpft, sondern per Federsrich abgeschafft.
Das, Herrschaften, sind die einfachen Methoden des Sozialismus und sonst gar nichts. Probleme werden nicht gelöst, sondern diskret ausgeblendet.

3. ist ziemlich offensichtlich, dass sich so ein Modell kaum für eine Gesellschaft eignet, deren Mitglieder in einem globalen Wettbewerb stehen. Hätte ich eine entsprechende Entscheidung zu treffen, würde ich mich wahrscheinlich nicht für ein Land entscheiden, in dem die Löhne nur aufgrund der Gesetzgebung eine Höhe erreichen, die die Arbeitsergebnisse aber deswegen noch lange nicht rechtfertigt.

Es ist ein sehr schöner Gedanke, einfach so vor sich hinleben zu können, völlig risikolos und in völliger Narrenfreiheit. Die Rechtfertigungen, die du nennst, klingen auch alle ganz toll und unterstützenswert.

Offenkundig ist aber, dass ein solcher Systemwechsel eine bestimmte Haltung der Gesellschaft voraussetzt. Ohne Menschen, die all das finanzieren funktioniert es nicht. Wenn die sich nicht finden, ist das alles überhaupt nichts wert.

Erinnert fatal an unser Rentensystem, wo man davon ausging, dass Kinder immer gekriegt werden würden.

Roger Beathacker 5. Juni 2008 um 14:36  

Lieber Jan,

Zu 1) Inflationen hat es bislang immer gegeben - und zwar ausschliesslich in Gesellschaften, die ein BGE nicht kannten. Und es wird sie mit oder ohne BGE auch weiter geben.

Zu 2) Es wird auch heute nicht gefragt, ob die Leute die "Kohle" haben, dieses Geld auch "brauchen" - und so ist es dazu gekommen, dass einige weitaus mehr "ueberfluessiges" Geld besitzen und etliche dringend benoetigtes nicht haben und nie haben werden. Kurz: man bekommt Geld nicht (einfach), weil man es braucht.

zu 3) Der globale Wettbewerb: Es gibt zwei unterschiedliche Gruppen in diesem "Wettbewerb". Die eine, die auf andere Menschen als Ressourcen zugreift und sich selbst zynisch verharmlosend "Global Players" nennt und die andere, die diese Ressource bildet und derer man sich dadurch bemaechtig, dass man sie gegeneinander aufhetzt und das dann "Wettbewerb" nennt.

Eine vernuenftige Argumentation sollte immer einleuchten - dann kann sie eigentlich gar nicht anders als "ganz toll und unterstützenswert" klingen.

Typisches Obrigkeitsstaatsdenken (ja ich weiss - Du glaubst Du seiest ein Liberaler). Es wird vermeint, dass sich immer eine "Macht" oder ein Macher finden muesse (hier: zur Finanzierung). Es ist aber so, dass unsere "Finanziers" immer schon von denen finanziert werden, die sie zu finanzieren vorgeben, und diese damit sowieso sich selbst "finanzieren".

Was das Rentensystem angeht: wenn keine Kinder mehr geboren werden, dann erledigt sich dieses Problem wenig spaeter ohnehin ganz von selbst.

Siehe dazu auch: Zum demographischen Faktor.

Jan 5. Juni 2008 um 16:02  

Ich meinte jetzt auch mehr ne Inflation, die den vermeintlichen Vorteil durch das staatliche Einkommen wieder nimmt.

Wenn man alle Menschen zu Millionären machen würde, wäre eine Million ja auch nicht mehr viel wert, oder? Wert entsteht dadurch, dass etwas knapp ist und nicht dadurch, dass es jeder hat.

"Es wird auch heute nicht gefragt, ob die Leute die "Kohle" haben, dieses Geld auch "brauchen""

Richtig und dass ist ein Missstand, der beseitigt, aber nicht ausgebaut gehört.

Was genau soll "Typisches Obrigkeitsstaatsdenken" sein? In dem Moment, wo ich von meinem Staat als Geldempfänger abhängig bin, hat der mich doch vollständig in der Hand, oder sehe ich das falsch? Keine sehr angenehme Vorstellung.

Diese Finanzierungserklärung ist mir etwas zu abstrakt.

Ein Land in dem deutlich mehr Geld aufgewendet werden muss als überall anderswo, um einen Menschen zum Arbeiten zu bewegen, ist doch für ausländisches Kapital eher unattraktiv. Und für inländisches zweifellos genauso.

Analog zum sich selbst erledigenden Rentensystem würde sich darum meiner Meinung nach ein Bedingungsloses Grundeinkommen (natürlich nur, wenn es hoch genug ist) ebenso selbst erledigen.

Roger Beathacker 6. Juni 2008 um 03:46  

Wert ist nicht gleich Wert. Marx unterscheidet z.B. zwischen Gebrauchswert und Tauschwert.

Was Deine Wertvorstellung angeht, die mit oben genannten Wertbestimmungen freilich nichts zu tun hat und die offensichtlich auf das beruechtigte "Gesetz" von Angebot und Nachfrage rekurriert, magst Du allerdings recht haben. Aber auch dann reicht es nicht, dass etwas einfach nur knapp ist; es muss - aus welchen Gruenden auch immer - obendrein begehrt sein.

Was das 'brauchen" von "Kohle" angeht: Wie vertraegt es sich eigentlich mit einem liberalen Selbstverstaendnis, ueber die Grenzen der Beduerfnisse anderer Menschen zu befinden? Das klingt in meinen Ohren jedenfalls nicht sehr liberal - sorry.

Die Frage nach dem "mehr" stellt sich m. E. auch sehr viel weniger dringlich, als die Frage nach dem minimum, da das individuell moegliche "mehr" ohnehin durch ein allgemein verbindliches minimum reguliert wuerde und zwar als "freies Spiel der Kraefte".

Zum Thema Staatsabhaengigkeit: Hm - dass Du von Deinem Arbeitgeber als Gehaltsempfaenger, sowie ohnehin vom Tun und Treiben aller anderen voellig abhaengig bist - stoert Dich aber nicht weiter? Davon abgesehen - da es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen handelt, ist das Abhaengigkeitsverhaeltnis eigentlich nicht vorhanden - denn es sind ja keine Forderungen nach Wohlverhalten etc. damit verknuepft. Falls es dich beruhigt: stell Dir einfach vor, dass sei Dein Anteil an der "Grundrente" fuer die Nutzung des Territoriums der BRD durch Privatleute - es heisst ja eh schon Grundeinkommen. ;-)

Die Finanzierung - dazu hab ich kuerzlich woanders einen Kom hinterlassen, der das evtl. verdeutlicht:

"Sofern Du nicht selbstaendig unterwegs bist oder als Rentier dein Dasein fristest, arbeitest Du mindestens fuer zwei ehe Du selbst als Dritter auch nur einen Cent erhaeltst:

1.Fuer Deinen "Arbeitgeber", der dich nur beschaeftigt, wenn er aus Deiner Arbeit einen Gewinn (als sein Einkommen) abzweigen kann,

2. fuer den Staat (d.h. fuer alle die diesen Staat bilden, Dich selbst also eingeschlossen) und dann erst

3. fuer Dich.

Damit ist der Kreislauf aber noch nicht geschlossen, denn Du darfst Dein Geld auch fuer mindestens Drei verprassen:

1. Fuer Produkte und Dienstleistungen (also fuer "die Wirtschaft"),

2. fuer den Staat (indirekte Steuern) und

3. fuer Dich: um Dich weiter funktionsfaehig und den Kreis am laufen zu halten. (Ist aber eigentlich mit 1) identisch, nur aus anderer Perspektive - das gleich gilt fuer 2): auch da laeuft das Geld nur durch, um am Ende in der Wirtschaftschaft zu landen (wo es natuerlich nicht wirklich "endet, sondern in operativer Funktion wieder in den Kreislauf eingespeist wird), woanders waere es auch vollkommen wertlos.

Was das Einkommen angeht: den Staat darfst Du da gleich doppelt bedienen, denn die Steuern die dein Arbeitgeber von seinem Einkommen abzufuehren hat, die musst ja zumindest teilweise auch Du erstmal (mit-)erwirtschaftet haben.


So als grober Ansatz, wie das Geld zirkuliert.

Menschen arbeiten ja nicht nur des Geldes wegen - das behaupten fast ausschliesslich die eher wenigen, die tatsaechlich nur wegen des Geldes "arbeiten", weil es praktisch ihr ganzer Lebensinhalt ist. Fuer die Meisten ist es aber nach wie vor nicht Zweck, sondern Mittel.

Glaubst Du, dass z.B. irgendein Leistungssportler keinen Sport treiben wuerde, wenn er dafuer nicht u.U. zwei-stellige Millionenbetraege erwarten duerfte?

Wenn das so waere, haette Deutschland 1954 jedenfalls nicht die Fussball WM gewinnen koennen.

;-)

Insgesamt ist das BGE ja kein Thema fuer das es, was die Ausgestaltung angeht, bereits ein Patentrezept gaebe. Andererseits wird es nicht ja innerhalb des gesamten politischen Spektrums kontrovers diskutiert. Und es gibt eine Menge unterschiedlicher Vorschlaege und Konzepte, die es gruendlich zu durchdenken gilt.

Mir geht es in meinem Artikel auch nicht so sehr um die konkrete, verwaltungstechnische Ausgestaltung oder die Hoehe, sondern um die Darlegung stichhaltiger Gruende, die - das durfte Dir nicht entgangen sein - nicht primaer wirtschaftlicher, sondern rechtlicher Natur sind.

Die persoenliche Freiheit beruhte in frueheren Zeiten auf der freien Verfuegbarkeit ueber Grund und Boden - egal ob als Bauer, Viehzuechter oder Jaeger und Sammler, teilweise auf Kosten "freier" Mobilitaet. Spaetestens seit dem 16. Jh. duerfte sich das langsam veraendert haben - und heute ist zur Basis die freie Verfuegbarkeit ueber Geld geworden, da "freier" Grund und Boden

a) zunehmend unverfuegbar geworden ist und

b) die fortgeschrittenen Produktionsverhaeltnisse eine Anbindung aller Menschen an bestimmte Areale (um die sie sich ja kuemmern muessten) nicht mehr erlauben.

Die Annahme, dass der "freie" Markt auch freie Menschen (auf die es eigentlich ankommt) im Gepaeck haette oder haben muesse ist ein Trugschluss, denn ohne eine Autonomie gewaehrleistende oekonomische Basis eines jeden Individuums wird die individuelle Freiheit ein blosses Lippenbekenntnis bleiben - Individuen die sich (bzw. ihre Arbeitskraft unbedingt verkaufen muessen koennen nicht ernstlich als "frei" bezeichnet werden.

Ich moechte Dir empfehlen, das Thema nicht vorschnell abzuhaken, sondern - auch was meine Argumention im Artikel angeht - erst mal sacken zu lassen und nach einiger Zeit nochmal aufzugreifen - in der Linklist dieses blogs findest Du auch einen Verweis zu einer Art "Pool" (Materialien zum BGE) in dem Du Dir verschiedenste - teils sehr kontroverse - Anregungen (die ich selbst keineswegs durch die Bank befuerworte) holen kannst.

Jan 9. Juni 2008 um 11:06  

"Wie vertraegt es sich eigentlich mit einem liberalen Selbstverstaendnis, ueber die Grenzen der Beduerfnisse anderer Menschen zu befinden?"

Genau das ist in meinen Augen ein weiteres Problem bei solchen Planspielen von Bedingungslosen Einkommen - irgendwer muss bestimmen, wie hoch die sind. Nicht erst seit HartzIV wissen wir doch, wie schwer das ist und wie schnell sich die Empfänger als ungerecht behandelt empfinden.

"Hm - dass Du von Deinem Arbeitgeber als Gehaltsempfaenger, sowie ohnehin vom Tun und Treiben aller anderen voellig abhaengig bist - stoert Dich aber nicht weiter?"

Bin ich doch gar nicht, da es im Gegensatz zum Staat mehr als nur einen Arbeitgeber gibt, ich notfalls sogar selbständig tätig werden könnte. Meinen eigenen Staat gründen dürfte dagegen im Extremfall durch die Bundeswehr verhindert werden...

"Davon abgesehen - da es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen handelt, ist das Abhaengigkeitsverhaeltnis eigentlich nicht vorhanden"

Ich bin aber schon darauf angewiesen, dass die Regierung nicht irgendwann auf die Idee kommt, dass das doch keine so tolle Idee gewesen ist und es wieder abschafft. Und Regierungen ändern sich ständig, das erscheint mir doch eine etwas vage Geschichte zu sein.

"Glaubst Du, dass z.B. irgendein Leistungssportler keinen Sport treiben wuerde, wenn er dafuer nicht u.U. zwei-stellige Millionenbetraege erwarten duerfte?"

Nein aber wenn er sein Geld auf andere Weise verdienen müsste, würde er vermutlich weniger Sport treiben können. Und umgekehrt würde vielleicht mancher lieber den ganzen Tag Fussball spielen, wenn er sich das irgendwie leisten könnte.

Darin sehe ich übrigens grade ein weiteres wirtschaftliches Problem: Wenn jeder tut, wozu er Lust hat, weil er des Geldes wegen ja nicht arbeiten geht, dürften manche Jobs plötzlich ziemlich unattraktiv gegenüber anderen erscheinen.

Wenn ich mich z.B. zwischen Müllwagenfahren und Gitarrespielen zu entscheiden hätte, wäre der Fall ziemlich eindeutig. Und ich behaupte jetzt mal, dass sich die überwiegende Mehrheit der heutigen Müllwagenfahrer interessantere Tätigkeiten vorstellen kann, auch wenn sie ihren Job gern tun (tun diejenigen, die ich kenne jedenfalls).

Was bringen stichhaltige rechtliche Gründe, wenn das Ganze wirtschaftlich nicht funktioniert? Die meisten Arbeiten sind im Gegensatz zu Freizeitaktivitäten weniger attraktiv und dass, was an Motivation fehlt, wird eben heute durch Geld geschaffen. Sicher: Die wenigsten Menschen arbeiten nur für Geld. Aber wer arbeitet denn schon nur des Jobs wegen?

"Die Annahme, dass der "freie" Markt auch freie Menschen (auf die es eigentlich ankommt) im Gepaeck haette oder haben muesse ist ein Trugschluss, denn ohne eine Autonomie gewaehrleistende oekonomische Basis eines jeden Individuums wird die individuelle Freiheit ein blosses Lippenbekenntnis bleiben - Individuen die sich (bzw. ihre Arbeitskraft unbedingt verkaufen muessen koennen nicht ernstlich als "frei" bezeichnet werden."

Sehe ich einfach grundsätzlich völlig anders. Die Freiheit, kaufen und verkaufen zu können was immer ich will, und sei es meine Arbeitskraft, gehört für mich zur individuellen Freiheit dazu. Und ein bedinungsloses Grundeinkommen ist ohne massive Einschnitte in die Freiheit anderer (nämlich derer, die den Spaß zahlen sollen) ja auch gar nicht machbar. Dafür mit einem Plus an Freiheit zu argumentieren halt ich daher für nicht schlüssig.

Trotzdem kann ich das Thema so oder so nicht vorschnell abhaken, weil es z.B. bei jeder FDP- oder Junge-Liberalen-Veranstaltung in der einen oder anderen Form diskutiert wird. Ich halte es schlicht für unrealistisch, weil ich zumindest wahrscheinlich versuchen würde, mit dem Grundeinkommen klar zu kommen und sonstige Arbeit nur zu machen, wenn ich Lust dazu hätte. Und ich halte mich nicht für so außergewöhnlich, dass ich in dieser Hinsicht eine leuchtende Ausnahme sein könnte.

Roger Beathacker 15. Juni 2008 um 01:06  

@ Jan

"Bin ich doch gar nicht, da es im Gegensatz zum Staat mehr als nur einen Arbeitgeber gibt, ich notfalls sogar selbständig tätig werden könnte.",

Hm - ich dachte immer, es gaebe auch mehr als einen Staat und es soll ja durchaus Leute geben, die sich einen anderen Staat suchen, wenn ihnen der, in dem sie geboren wurden, uaf Dauer nicht so recht passt.

"Nein aber wenn er sein Geld auf andere Weise verdienen müsste, würde er vermutlich weniger Sport treiben können. Und umgekehrt würde vielleicht mancher lieber den ganzen Tag Fussball spielen, wenn er sich das irgendwie leisten könnte."

Bloedsinn - man braucht keine 50 Millionen Euro im Jahr um in irgendeiner Sportart Spitzenleistungen zu erzielen. Man braucht eine optimale Infrastruktur und soviel Geld, dass man seiner Leidenschaft froenen kann, ohne dass man noch einer zusaetzlichen Erwerbstaetigkeit nachgehen muss. Davon abgesehen werden Spitzensportler nicht fuer ihre Leistungen bezahlt, sondern dafuer, dass sich aus diesen Leistungen Kapital schlagen laesst - und finanziert wird das in letzter Konsequenz nicht nur von Leuten, die sich fuer das Treiben der Sportler interessieren, sondern von jedem der irgendein Produkt kauft oder kaufen muss ueber dessen Preis z.T. auch das Einkommen diverser Champions finanziert wird. Bist Du Kunde der Telekom zahlst Du die Gehaelter irgendwelcher Fussballer oder Radfahrer, bist Du bei Vodaphone, dann darfst Du den Formel-1 Zirkus unterstuetzen usw. Auch dann, wenn Du an Dich weder fuer Fussball, noch fuer Autorennen interessierst.

"Darin sehe ich übrigens grade ein weiteres wirtschaftliches Problem: Wenn jeder tut, wozu er Lust hat, weil er des Geldes wegen ja nicht arbeiten geht, dürften manche Jobs plötzlich ziemlich unattraktiv gegenüber anderen erscheinen."

Diese Jobs duerften nicht nur als ziemlich unattraktiv erscheinen - sie sind es. Und es ist schon seltsam, dass man fuer das was man sowieso gerne macht (wenn man denn die Gelegenheit bekommt sich darauf zu konzentrieren) u.U. maerchenhafte Gagen einstreichen kann und fuer die miesesten Jobs, die wirklich am liebsten gar keiner machen wuerde, erbaermlich bezahlt wird. Besonders fair scheint mir das jedenfalls nicht zu sein.

"was an Motivation fehlt, wird eben heute durch Geld geschaffen."

Hier irrst Du. Die "Motivation" wird nicht durch Geld, sondern durch einen Mangel an Geld geschaffen. Vermutlich kann man deswegen den "Hypermotivierten" auch die Kohle in rauhen Mengen nachwerfen, ohne dass man um deren Motivation fuerchten muesste - muss aber diejenigen, die man erstmal dazu gebracht hat (aus Geldnot) irgendeinen Scheissjob anzunehmen, dann auch auf Dauer moeglichst kurz halten. Wenn die "zu was kaemen" - wo kaemen wir da hin?

"Die Freiheit, kaufen und verkaufen zu können was immer ich will, und sei es meine Arbeitskraft, gehört für mich zur individuellen Freiheit dazu."

Ziemlich kurzsichtig. Erstens kannst Du Dir (jedenfalls vermute ich das mal) nicht alles kaufen was Du willst. Und zweitens hat das spetestens in dem Augenblick mit Freiheit absolut nichts mehr zu tun, in dem Du alles was Du willst, kaufen musst.

Ich fuerchte, ganz so einfach, wie Du Dir das mit der Freiheit vorstellst, ist es dann wohl doch nicht. Fuer den Spass der einen, zahlen auch jetzt schon immer die anderen - sie merken es bloss nicht, weil man ihnen ihre "Beitraege" im Normalfall schon vor der Abrechnung abgezogen hat oder hinter ihrem Ruecken kassiert. Du hast in Deinem Blog ja geschrieben, dass Du gerne neben der MWSt. auch die Mineraloel und die Oekosteuer auf der Rechnung ausgewiesen haettes - okay und ich wuerde gerne auf meinen Joghutbechern und Milchtueten eine Angabe finden, was ich so alles ungewollt mitfinanziere, wenn ich ddieses oder jenes kaufe. Oder Kuerzer: Wenn ich einen Joghurt kaufe oder einen Telefonanschluss, dann moechte ich auch nur Joghurt oder telefon bezahlen und nicht noch zusaetzlich die Gagen fuer irgendwelche Radfahrer oder Fussballprofis mitbezahlen.

Alles klar?

;-)

Mechthild Mühlstein 10. August 2008 um 05:00  

»Wert entsteht dadurch, dass etwas knapp ist und nicht dadurch, dass es jeder hat.«
@Jan
Was wäre ein internetzugang wert, wenn nur ich einen hätte? Das wäre selbstverständlich eine äußerst exklusive angelegenheit. Trotzdem wertlos. Wessen seiten sollte ich mir denn dann angucken? Der wert des internets steigt mitnichten, wenn das angebot knapp ist. Der wert steigt, wenn im idealfall jeder zugang hat.

Das leben ist vielschichtiger, als daß man jeden zusammenhang mit primitivmarktwirtschaftlichen erklären könnte. Was mich immer wieder erstaunt, ist, daß in diskussionen um das bedingungslose grundeinkommen häufig gerade »liberal« denkende menschen meinungen äußern, bei denen das marktwirtschaftlich verarschistische denken geradezu nahtlos in ein nahezu faschistisches denken umschlägt.

Da wird dann auch gern mal der »hart arbeitende, kleine mann« glorifiziert, der über seine harte arbeit die faulen drecksäcke durchschleppen muß. Anstatt die lebensbedingungen für den armen kerl zu verbessern, einen mindestlohn festzulegen, die arbeitsbedingungen zu verbessern, macht man lieber »einen auf billig« und spielt den am unteren rand arbeitenden gegen den »hängemattenbewohner« aus.

Das problem der hartz4empfänger ist nicht allein die niedrigkeit des regelsatzes, sondern die manifestierung der armut: Wer dazu verurteilt ist, jede stelle um jeden preis anzunehemen, dem ist die verhandlungsbasis für ein faires arbeitsentgelt vermasselt.

Wo ist die freiheit, wenn menschen aufgrund ihrer wirtschaftlichen lage überwacht werden dürfen und wie kriminelle behandelt werden?

Das ist das gegenteil von freiheit. Bist Du »frei« zu verkaufen, was Du hast, kommst Du schnell am ende Deiner möglichkeiten an. Aber sofern Dein wissen nicht gefragt wird, kannst Du Dich immerhin noch prostituieren, sollte diese dienstleistung auch nicht marktkonform sein, kannst Du verkaufen, was nachgefragt wird: ein nierchen vielleicht, oder auch eine hirnhälfte.

Sofern Du nun denkst »das finde ich aber eklig« kann ich Dir zustimmen: Das ist eklig. Das ist die konsequenz aus der freiheit zu verkaufen, was man hat.

Marktwirtschaftlich betrachtet, erscheint es als der »weisheit letzter schluß«, daß die besitzlosen zur arbeit gezwungen werden, damit es den besitzenden weiterhin gut geht. Es liegt nun an Dir, mir zu erklären, was das mit »freiheit« zu tun hat.

henteaser 14. August 2008 um 01:47  

@ Jan:
"Wenn ich mich z.B. zwischen Müllwagenfahren und Gitarrespielen zu entscheiden hätte, wäre der Fall ziemlich eindeutig."

Weil du Gitarre spielen kannst. Bekämen wir BGE, könnte ich mir (bald) einen LKW-Führerschein leisten und du derweil am Fluss sitzen und musizieren. Oder ich nehme Gitarrenunterricht, für den ich täglich viele Stunden üben kann, weil ich nicht auf Arbeit muss.

"Und ich behaupte jetzt mal, dass sich die überwiegende Mehrheit der heutigen Müllwagenfahrer interessantere Tätigkeiten vorstellen kann, auch wenn sie ihren Job gern tun"

Das stimmt.

"Wer denn im Sozialismus die Nachttöpfe hinaustragen wird?' Das läßt sich auf die simple Frage 'Wer dann meinen Nachttopf hinaustragen wird' reduzieren." (via)

Es soll übrigens auch Leute geben, die einfach mal testen wollen, ob ihnen ein Job liegt. Bzw. die aus ihrem Trott rauswollen und nicht können.

(Z.B., weil sie einen Kredit abzahlen müssen oder den falschen Handyvertrag haben. Sie arbeiten, um ihren Lebensstil zu finanzieren und würden es auch mit dem Grundpolster tun.)

Wie bereits getippt: Mich würden neue Skills echt reizen. Dazulernen und gut darin werden kann man aber nur mit genügend Übungszeit. Das ist wohl auch der Grund, warum Kindheit und Jugend so prägen: Als Erwachsener hast du keine Zeit mehr, dich umzuorientieren.

Des weiteren könnten Arbeitgeber viel flexiblere Beschäftigungsregelungen einführen: Drei Stunden der, vier Stunden die, acht ein anderer; je nachdem, wie die ArbeiterInnen gerade Bock (=Anreiz) oder Zeit haben, bevor der Gitarrenunterricht beginnt.

Ihr merkt, dass ich den Bürgergeld-Gedanken ziemlich verlockend finde. Vor allem, weil er den Bürgern vieles von der Angst nimmt, die unsere Gesellschaft prägt.

Utopisch halte ich die Idee aus einem anderen Grund: Es wäre nämlich nicht damit getan, dass es ein Land auf Erden einführt. Der Globalisierung wegen. (Oder ist dies etwa kein Hindernis?)

Jan 14. August 2008 um 12:43  

@ Roger

Also dass mit sich nen anderen Staat aussuchen finde ich ein wenig zynisch. Sicher kann man dass, aber wenn wir anfangen auf der Grundlage über Politik zu diskutieren, wird das etwas absurd. Ich finde schon, dass es ein völlig anderer Schritt ist, sich mal eben nen neuen Arbeitgeber zu suchen, als auszuwandern.

Wenn wir hier allerdings anfangen, richtig viel Geld für nichts aus Steuermitteln zu zahlen, dann machen wir uns natürlich zum Einwanderungsland Nummer 1. Über Bevölkerungsrückgang werden wir uns dann nicht mehr beschweren können. Fragt sich nur, wie lange sich diese Großzügigkeit dann noch aufrecht erhalten lässt.

"man braucht keine 50 Millionen Euro im Jahr um in irgendeiner Sportart Spitzenleistungen zu erzielen."

Mancher vielleicht doch? Medizinische Betreuung, teure Geräte und was weiß ich können teuer werden. Mit dem entscheiden, wieviel irgendwer für irgendwas braucht ist es halt nicht so einfach.

Es ist doch Schnurz, wofür Spitzensportler bezahlt werden, nicht mein Bier und nicht deins. Die Kohle, die ich dazu beitrage, hält sich eh in Grenzen und wenn man will, kann man das auf Null fahren. Letztlich kann mir das aber doch egal sein, solange ich krieg was ich will. Versteh da dass Problem dabei nicht.

Kein Mensch muss irgendein Produkt kaufen, von bestimmten Medikamenten oder anderen Monopolen vielleicht mal abgesehen aber Monopole gehören ohnehin abgeschafft.

Wieso ist es seltsam, für manche Jobs wenig Geld zu bekommen? Dass sind in der Regel Jobs, die jeder hinbekommt, entsprechend groß ist die Konkurrenz. Das ist überhaupt nicht seltsam, sondern der wichtigste Anreiz sich zu bilden. (Und jetzt komm bitte nicht mit "Bilden ist ja auch nicht so einfach wenn man kein Geld hat", dass weiß ich doch auch und das gehört auch verbessert, widerspricht aber nicht dem, was ich grade geschrieben habe, oder?).

Mangel an Geld? Wer spartanisch genug leben mag, der kommt mit dem, was er von der Allgemeinheit heute schon kriegt doch irgendwie über die Runden. Nur: Wer will das schon? Also versucht jeder, irgendwie an mehr Kohle zu kommen. Dass nenn ich Motivation aber der Zustand vorher ist kein Mangel, wenn man genug hat um satt zu werden und n Dach überm Kopf (ohne dass jetzt schönreden zu wollen aber ich habe jetzt ein Jahr mit ähnlich wenig Kohle gelebt und denke, dass ich das halbwegs beurteilen kann).

Wer sollte denn dieser Bösewicht sein, der arme Menschen arm halten will? Wer sollte ein Interesse daran haben? Das klingt für mich wie eine dieser beknackten linken Verschwörungstheorien.

Meine Frage, wer dann noch die zwar nötigen, aber eher unbeliebten Jobs macht, hast du wohl irgendwie ausgespart. Klar ist aber, dass die irgendwer machen wird. Gehen wir dann los und fangen uns ein paar chinesische Sklaven?

"Ziemlich kurzsichtig. Erstens kannst Du Dir (jedenfalls vermute ich das mal) nicht alles kaufen was Du willst."

Nein, weder theoretisch noch praktisch aber es liegt mir ja am Herzen Dinge, die verboten sind, zu erlauben und wenns mir zu manchen Dingen finanziell fehlt, dann muss ich halt selber zusehen, dass zu ändern. Immerhin hindert mich aber (noch) niemand daran, dass zu tun.

Und zweitens hat das spetestens in dem Augenblick mit Freiheit absolut nichts mehr zu tun, in dem Du alles was Du willst, kaufen musst.

"Du hast in Deinem Blog ja geschrieben, dass Du gerne neben der MWSt. auch die Mineraloel und die Oekosteuer auf der Rechnung ausgewiesen haettes - okay und ich wuerde gerne auf meinen Joghutbechern und Milchtueten eine Angabe finden, was ich so alles ungewollt mitfinanziere"

Das ist doch etwas vollkommen anderes. Steuern auf einzelne Produkte zahlst du IMMER, egal mit wem du handelst. Wenn ich unbedingt den Radsport boykottieren möchte, dann kauf ich Aldi-Mineralwasser und eben kein Gerolsteiner. Der Vergleich hinkt einfach. Ich habe ja nichtmal die Möglichkeit, um z.B. dem Staat nicht noch mehr Geld in den Rachen zu stopfen, Zigaretten im Ausland zu kaufen - wird ja gleich ne Riesengeschichte draus gemacht. Mir ist aber nicht bekannt, dass jemand in den Bau gekommen wäre, weil er aus Protest gegen die Olympia-Finanzierung lieber zu Burger King als zu Mc Donalds gegangen wäre.

Jan 14. August 2008 um 12:51  

@ henteaser:

Ich kann nicht Gitarrespielen (LKW-Fahren auch nicht), stelle es mir aber interessanter vor, als stundenlang Mülltonnen zu schieben.

"Es soll übrigens auch Leute geben, die einfach mal testen wollen, ob ihnen ein Job liegt. Bzw. die aus ihrem Trott rauswollen und nicht können."

Dazu brauchen wir kein Grundeinkommen, sondern einen freieren Arbeitsmarkt. Zumindest wäre dass der wichtigere Schritt.

"Des weiteren könnten Arbeitgeber viel flexiblere Beschäftigungsregelungen einführen: Drei Stunden der, vier Stunden die, acht ein anderer; je nachdem, wie die ArbeiterInnen gerade Bock (=Anreiz) oder Zeit haben, bevor der Gitarrenunterricht beginnt."

Das geht doch heute schon. Jedenfalls kenne ich eine Firma, die mehr oder weniger so organisiert ist. Auch dafür brauchen wir also sicher kein Grundeinkommen.

"Utopisch halte ich die Idee aus einem anderen Grund: Es wäre nämlich nicht damit getan, dass es ein Land auf Erden einführt. Der Globalisierung wegen. (Oder ist dies etwa kein Hindernis?)"

Wenn mans Globalisierung nennen will. Ich halte es für menschenverachtend, "Wirtschaftsflüchtlinge" nicht in ein Land zu lassen, weil man dort Angst vor diesen Menschen hat. Die lässt man dann lieber krepieren, macht ja nichts... dass ist nicht meine Linie. Dementsprechend müsste man schon aus moralischen Gründen jeden rein lassen, der will und dass würde so ein Grundeinkommen ratz fatz sprengen, wenn es nicht schon ohne Zuwanderung binnen Wochen implodiert, weil 75 Prozent der Menschen nicht mehr arbeiten gehen würden (ich würde es nicht tun).

Anonym,  24. August 2008 um 18:55  

Ansätze zur Einführung

In Brasilien wurden unter Präsident Lula erste Schritte für ein Bedingungsloses Grundeinkommen umgesetzt. Zur Zeit erhalten lediglich die Ärmsten einen geringen Betrag, bis 2010 sollen die Zahlungen auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden.

Dahingegen ist das oft in diesem Zusammenhang diskutierte Beispiel Alaskas, trotz der Bedingungslosigkeit der Auszahlung aus dem Alaska Permanent Fund, die dort jeder Bewohner erhält, kein „echtes“ Bedingungsloses Grundeinkommen, da der Betrag (2006: ca. 1.100 US-$ pro Person und Jahr) bei weitem nicht existenzsichernd ist.

In Namibia erhalten die Einwohner einer Ortschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen, um zu prüfen, welche Auswirkungen auf die Armut sich ergeben. Zunächst möchte man den Bewohnern Omitaras im Sozialprojekt Basic Income Grant (BIG) monatlich 100-N$ für insgesamt zwei Jahre auszahlen. Gegebenenfalls soll ein bedingungsloses Grundeinkommen in Namibia zur Bekämpfung der Armut eingeführt werden.

Anonym,  5. September 2008 um 08:37  

In Brasilien wurden unter Präsident Lula erste Schritte für ein Bedingungsloses Grundeinkommen umgesetzt. Zur Zeit erhalten lediglich die Ärmsten einen geringen Betrag, bis 2010 sollen die Zahlungen auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden.

Dahingegen ist das oft in diesem Zusammenhang diskutierte Beispiel Alaskas, trotz der Bedingungslosigkeit der Auszahlung aus dem Alaska Permanent Fund, die dort jeder Bewohner erhält, kein „echtes“ Bedingungsloses Grundeinkommen, da der Betrag (2006: ca. 1.100 US-$ pro Person und Jahr) bei weitem nicht existenzsichernd ist.

In Namibia erhalten die Einwohner einer Ortschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen, um zu prüfen, welche Auswirkungen auf die Armut sich ergeben. Zunächst möchte man den Bewohnern Omitaras im Sozialprojekt Basic Income Grant (BIG) monatlich 100-N$ für insgesamt zwei Jahre auszahlen. Gegebenenfalls soll ein bedingungsloses Grundeinkommen in Namibia zur Bekämpfung der Armut eingeführt werden.


Hier ein Filmbeitrag zum Thema Grundeinkommen

http://www.grundeinkommen.tv/blog/


Verlinkt in in alle sozialkritischen Foren, zu Freunden Bekante Verwandte es muss ein anderes Bewusstsein in die Bevölkerung transportiert werden.
Jeder kann was tun, packen wir es an.

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