Donnerstag, 4. Dezember 2008

Besser leben dank Hartz IV -und wie es beinahe mal geklappt hätte

Man muss (wie eigentlich immer) nur auf der "richtigen" Seite stehen. So wie etwa Hermann Kostrewa, "Werkleiter" des "Eigenbetriebes Grundsicherung für Arbeitssuchende", wie die Hartz IV Behörde des Kreises Spree-Neiße genannt wird. Man sollte allerdings darauf achten, dass sich die Vorzüge des Hartz-IV-Verweser Daseins nicht allzuweit herumsprechen.

In der Berliner Zeitung las ich heute:
Vom 12. bis 14. November hatte sich Hermann Kostrewa mit 14 seiner Mitarbeiter in dem Wellness-Tempel [Nobelhotel "Zur Bleiche", das in Deutschland als bestes Wellnesshotel gilt] - ursprünglich auf Kosten seiner Behörde - eingemietet. Um über Arbeitslosenzahlen zu debattieren, sagt eine Kreissprecherin. Wie auch immer - es hat seinen Vorgesetzten zornig gemacht. "So etwas geht einfach nicht als Chef einer solchen Behörde", sagt Landrat Friese. Schon für den Normalbürger verbinde sich mit dem Hotel ein, so Friese, unermesslicher Luxus. "Ich kann nicht an so einem Ort tagen und zugleich für Hartz-IV-Empfänger zuständig sein, die am untersten Level leben und jeden Cent zweimal umdrehen müssen."
[...]
Die Affäre ist so kurz vor Beginn des Superwahljahres 2009 für die SPD eine Belastung geworden: Kostrewa ist in Spree-Neiße stellvertretender Parteichef. SPD-Vorsitzender ist Agrarminister Dietmar Woidke, der dort abermals für den Landtag kandidiert und auch Mitglied im Kreistag ist. Woidke hat für heute eine Sondersitzung seines SPD-Vorstandes einberufen. Gegenüber Kostrewa sei er aber schon gestern deutlich geworden. "Ich erwarte von ihm, dass er sein Parteiamt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lässt", so der Minister. Zumindest politisch ist für Woidke klar: "So eine Behörde kann nicht in so einem Hotel tagen. Das hat ein Geschmäckle und ist nicht zu erklären."

Letztlich sei dem Kreis kein materieller Schaden entstanden, sagt Landrat Friese. Denn die etwa 3000 Euro habe Kostrewa nun aus der eigenen Tasche bezahlt. "Doch es gibt einen erheblichen Imageschaden", so Friese. Vor allem die Mitarbeiter im Publikumsverkehr aus der Hartz-IV-Behörde würden dies zu spüren bekommen.


Der Absturz in Arbeitslosigkeit oder gar ein "Hartz-IV Praktikum" von der anderen Seite drohen dem "Werkleiter", wie dem Berliner Kurier zu entnehmen ist, nun freilich nicht:
Entschieden ist inzwischen, dass Kostrewa als Hartz-IV-Behördenchef weiter arbeiten darf. Der Kreisausschuss missbilligte zwar öffentlich seine "Unsensibilität", will ihm aber weiterhin vertrauen, zumal er die Rechnung (3000 Euro) jetzt aus eigener Tasche bezahlt hat. Das "einmalige Fehlverhalten" dürfe nicht gegen vier Jahre mit guten Leistungen aufgewogen werden.

Besonders interessant finde ich überdies, welche Themen bei dieser "Klausur" auf der Tagesordnung standen, dazu ist bei Niederlausitz aktuell zu lesen,
[dass] die Tagung als notwendig erachtet wurde, um detaillierte Planungen für 2009 vorzunehmen. Zu Letzteren zählten dabei zusätzliche 150 Stellen Kommunalkombi, die Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes 2009 sowie die Weiterentwicklung der Angemessenheitskriterien für die Kosten der Unterkunft der betroffenen Hartz-IV-Empfänger.

Ich kann mich über sowas schon gar nicht mehr aufregen, im Grunde wird ja nicht mal gemissbilligt, dass das Personal der Argen sich 'ne zünftige Sause gönnt - das wäre , denen, die Kostrewa nun kritisieren, sogar total egal. Es wäre eben nur darauf zu achten, dass das "Image" nicht angekratzt wird. In irgendeinem weniger noblen Etablissement hätten folglich die Behördenvertreter vermutlich auch gerne den doppelten Betrag verprassen dürfen.

Fragt sich nur: ist beim Image von "Hartz IV" eigentlich überhaupt noch Platz für (weitere) Kratzer?

1 Kommentare:

klaus baum 4. Dezember 2008 um 23:00  

Was bei diesen Typen auffällt, die meinen, sie hätten das Sagen im Land, ist die völlige Absenz dessen, was man im 18. Jahrhundert einst als schicklich bezeichnete. Meine Vermutung, es liege bei unseren Führungskräften ein Hang zum Absolutismus vor. scheint sich wieder einmal zu bestätigen.

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