Montag, 20. Oktober 2008

Neue BILD Opfer: " Die 1-Euro-Schnarcher vom Arbeitsamt"

Sind der Bild die "Hartz IV Betrüger" ausgegangen, oder warum sonst fällt sie nun auch noch über die Fügsam(st)en unter den ALG2-Beziehern her?.
Quatschen, rumstehen, dösen: Wir sehen die vielleicht faulsten Stadtarbeiter Deutschlands: DIE 1-EURO-SCHNARCHER VOM ARBEITSAMT HALLE!
[...]
Was ein Kleingärtner an einem Wochenende erledigt hätte, scheint diese Truppe zu überfordern. Dabei bekommen sie dafür pro Kopf rund 900 Euro im Monat.
Quelle: BILD

Liebe BILD Redakteure: entweder seid ihr schlecht informiert oder ihr lügt bewusst.

Kein ALG2-Bezieher, der einen sogenannten "1-Euro-Job" annimmt, erhält auch nur einen Cent für irgendwelche Tätigkeiten, die ihm in dessen Rahmen abverlangt werden. Bei einem "1-Euro-Job" handelt es sich um eine sogenannte "Maßnahme mit MAE", was so viel bedeutet, wie "Mehraufwandsentschädigung". Und das wiederum besagt schlicht, dass die mit der Beschäftigung verbundenen Aufwendungen, wie Fahrtkosten, Arbeitskleidung, zusätzliche Verpflegung usw. durch den Zuschlag von pauschal einem Euro pro Einsatzstunde abgegolten werden. Ein Entgelt für die "Beschäftigung" selbst ist hingegen nicht vorgesehen. Ferner werden Fehltage wegen Krankheit oder "Urlaub" (ja den gibts auch) nicht "vergütet", denn wer nicht "jobbt", der hat ja auch keine (mit dem "Job" verbunden) zusätzlichen Kosten.

Im Übrigen sind die "1-Euro-Jobber" im Grunde genommen auch gar nicht zu "produktiver" Arbeit verpflichtet, denn bei einem solchen "Job" handelt es sich nicht um eine Arbeitsstelle, sondern "nur" um eine "Beschäftigung". Der ALG2-Empfänger wird also (immerhin noch) nicht verpflichtet, (umsonst) zu arbeiten, sondern - unter Androhung von Sanktionen - "lediglich" gezwungen, jede "Beschäftigung die im öffentlichen Interesse liegt" an- und aufzunehmen. Ihn zu regelrechter Arbeit zu zwingen, das traut man sich noch nicht - immerhin ist hierzulande Zwangsarbeit ja auch (noch?) verboten. Und beschäftigen kann man sich auch mit ganz anderen - und sehr viel angenehmeren - Dingen als (zumal: vollkommen sinnbefreiter) "Arbeit".

Es geht hier also weder um Arbeit noch gar um "Leistung", sondern schlicht darum, die Leute "zu beschäftigen", damit sie nur ja nicht auf "dumme" (d.h.: vernünftige und richtige) Gedanken kommen. Man könnte also auch sagen, es handelt sich um eine "vorsorgliche" Disziplinarmaßnahme. Davon abgesehen erfüllt so ein "1-Euro-Job" zwei sehr konkrete Funktionen: erstens verschwindet, wer als Hartz IV reformierter Arbeitsloser in so einer "Maßnahme" steckt, flugs aus der Arbeitslosenstatistik, denn er gilt für diesen Zeitraum nicht mehr als "arbeitslos", sondern als "arbeitssuchend" - und jetzt erkläre man mir bitte, warum man als "Arbeitender" noch Arbeit suchen (müssen!) sollte - oder andersrum: warum man als "Arbeit suchend" geführt wird, wenn man doch bis über beide Ohren in Arbeit steckt (oder, wie BILD wohl meint: doch wenigstens stecken sollte)? - und zweitens bewahrt man ihn so vorsorglich davor, sich womöglich als "Schwarzarbeiter" im "nichtöffentlichen" Interesse privat (und für ein paar Cent mehr) ausbeuten zu lassen.

Dass es - und zwar: sehr viele - Menschen gibt, die für solche "Beschäftigungsverhältnisse" auch noch dankbar sind und sich - als "1-Euro-Jobber" oder als Geringstverdiener tatsächlich den Buckel krummschuften und dafür weder Geld noch wirkliche Anerkennung ernten, macht die Sache nicht besser, sondern zeigt nur einmal mehr wie pervers dieses verlogene Prinzip der "Leistungsgesellschaft" wirklich ist.


5 Kommentare:

Jan 20. Oktober 2008 um 08:54  

Tja, da kann ich dir so im Großen und Ganzen wirklich mal zustimmen. Das Instrument 1-Euro-Jobs war noch nie gut.

Mir sind Fälle bekannt, wo sie auch konkrete Arbeitsplätze gekostet haben - es ist also nicht so, dass alle Tätigkeiten willkürlich und eigentlich überflüssig sind. Aber das macht es nicht besser, sondern schlimmer: 1-Euro-Jobs sind also entweder überflüssig oder vernichten echte Jobs - beides ist weder im Sinne der Arbeitslosen, noch der Gesellschaft insgesamt.

somlu 22. Oktober 2008 um 08:16  

Vor allem die sozialen Träger sägen sich mit 1-Euro-"Jobs" gerne am eigenen Ast.

Manchmal bin ichs so müde, gegen die Mühlen der Propaganda und Gehirnwäsche anzukämpfen.

Anonym,  22. Oktober 2008 um 17:34  

Hieß das früher mal nicht Zwangsarbeit?
Waren die Behörden damals etwa ungeschickter als die von heute? Oder weniger Clever?

Kurt aka Roger Beathacker 22. Oktober 2008 um 17:53  

Oder vielleicht einfach: "ehrlicher"?

;-)

Mechthild Mühlstein 22. Oktober 2008 um 22:28  

Das mit der ehrlichkeit ist so eine sache: »Zwangsarbeit« hat es bei den nazis nicht gegeben. Das nannte man erst später beim namen, wurde einer ins arbeitslager verschleppt, hieß das in deren jargon, daß der »umgesiedelt« wurde.

Heute feiert man die erfolge der »arbeitsvermittlung« der jobcenter, obwohl dort niemand vermittelt wird. Vermittlung würde voraussetzen, daß die qualifikation und die wünsche der menschen, die vermittelt werden sollen, berücksichtigt werden, oder die möglichkeit, angebote wegen mieser arbeitsbedingungen o.ä. abzulehnen. Arbeit wird nicht vermittelt, sondern zugewiesen.

Der wirklichkeitsverharmlosende sprachgebrauch trägt dazu bei, daß der nicht betroffene teil der bevölkerung sich in unwissenheit wiegen kann, während sich unbemerkt die bedingungen für alle verschlechtern.

***

Zu ddr-zeiten wurde gern über die »vollbeschäftigung« gelästert, über die mehrfachbelegung von arbeitsstellen bei der sich angeblich drei leute sich einen schraubenschlüssel teilen mußten. Im oben genannten fall müssen sich eben zwanzig leute rein imaginäres gerät teilen, der kapitalismus ist eben in allen dingen weit überlegen!

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