Montag, 1. September 2008

B.Z. klärt auf: Leben mit Hartz IV

Nachdem die einschlägige Presse jahrelang Hartz IV Empfänger eher "reich" gerechnet hat, versucht man es bei Springer jetzt mal anders herum und rechnet die Betroffenen noch ärmer als sie eh schon sind:
Die vierköpfige Familie Ruschke aus Hellersdorf gehört zu den 436330 Berlinern, die monatlich Arbeitslosengeld II beziehen. Wie sie mit ihren insgesamt 1561,29 Euro leben, erzählen sie in der neuen B.Z.-Serie
Die B.Z. begleitete eine Woche lang eine Hartz-IV-Familie aus Hellersdorf. Die Ruschkes, das sind Vater Winfried (43), Mutter Claudia (42), Tochter Cindy (15) und Sohn Maximilian (10), wohnen in der Platte (vier Zimmer/588 Euro Miete warm). Eigentlich ein Leben wie bei vielen anderen Familien auch. Oder doch nicht?
Quelle (BZ)

Und so rechnet die B.Z.:

Vater: 316,-- Euro
Mutter 316,-- Euro
Tochter (15) 127,-- Euro
Sohn (10) 57,-- Euro
Miete 565,29 Euro
--------------------------------------
Hartz IV ges. 1.381,29 Euro

MAE Mutter: 180,-- Euro
---------------------------------------
Summe: 1.561,29 Euro
==================

So weit, so gut. Allerdings enthält die Rechnung einen Fehler:

Die für die Kinder angegebenen Sätze stimmen nicht, denn laut Hartz IV Rechner sind für Kinder bis 13 Jahre 210,60 Euro zu zahlen und für 14 bis 25-jährige 280,80 Euro. Allerdings wird von diesen Beträgen das Kindergeld abgezogen, so dass der genannte Betrag - was Zahlungen von ALG II angeht - zwar korrekt ist, denn Kindergeld wird von den Familienkassen bezahlt, das tatsächlich verfügbare Familieneinkommen aber dennoch um 306,-- Euro zu niedrig angegeben wird. Insgesamt sollte die Familie eigentlich über monatlich 1.867,-- Euro verfügen können (ohne den Ein-Euro Job der Mutter: 1.687, -- Euro).

Warum die Zeitung hier 306,-- Euro unterschlägt ist mir schleierhaft, zumal man in der Vergangenheit ja gewohnt war, dass den Betroffenen eher zu hohe Bezüge angedichtet wurden. Jedenfalls bin ich mal gespannt, was Berlins beliebtes Boulevardblatt im Laufe der kommenden Woche zu diesem Thema noch an weiteren "Wahrheiten" enthüllen wird.

3 Kommentare:

Mechthild Mühlstein 1. September 2008 um 22:55  

Vermutlich wird die BZ in wenigen tagen »aufklären«, daß familie Ruschke sich arm gerechnet habe. Vielleicht leidet die BZ unter leserschwund, weil die weite teile mittelschicht längst in h4verhältnisse abgerutscht sind und das käseblatt nicht mehr liest, wenn immer nur gegen die armen gehetzt wird.

Ich halte es aber nicht für völlig undenkbar, daß die zahlen sogar trotz des eigentlich höheren anspruchs stimmen könnten, denn das jobcenter bewilligt keineswegs immer, was den leuten zusteht, schließlich soll gespart werden.

Sofern man das gefühl hat, daß die behörde einen um geld betrügt, ist es empfehlenswert, widerspruch einzulegen. Sollte die angelegenheit verschleppt werden, ist es ratsam, auch jedem weiteren bewilligungsbescheid zu widersprechen, sonst verliert man geld, wenn dem widerspruch stattgegeben wird, der gilt nämlich nur für den bescheid, dem man widersprochen hat. Dies ist selbstverständlich keine rechtsberatung, sondern lediglich die beschreibung eines untragbaren zustandes.
lg
mm

Roger Beathacker 1. September 2008 um 23:54  

Right, aber eigentlich sollte man annehmen, dass man bei einem Blatt, dass erst vor wenigen Tagen lauthals "die Wahrheit über Hartz IV in Berlin" verkuendet hat, solche Fehler zu bemerken und den Betroffenen ggf. eine entsprechende Handlungsempfehlung zu geben.

Ich glaube aber eher, dass die das Kindergeld bewusst rausgelassen haben, weil sie nicht gerne einen Betrag von deutlich ueber 1.500,-- Euro in ihrer Story drucken wollten.
Moeglicherweise vermuten sie bei ihrer Leserschaft eine in dem Bereich liegende "Mitleidsschwelle" - wer weiss?

Mechthild Mühlstein 2. September 2008 um 23:30  

Der BZ geht es doch nicht um aufklärung! »Beraten« wollen die erst recht nicht. Es geht wohl eher um erzieherische maßnahmen: »Wenn Du nicht richtig funktionierst, gehts Dir bald dreckig«.

Du sollst Dich gefälligst gruseln - und Dich freuen, daß der lohn für Deine arbeit zwar nicht zum leben reicht, Du aber wenigstens der behördenwillkür entronnen bist, also »frei«.

Um mitleid geht es der springerpresse bestenfalls oberflächlich. In zeiten in denen gut bis sehr gut ausgebildete arbeitskräfte gezwungen sind, für 1300 oder 1400 € brutto (oder auch viel weniger) zu arbeiten, kann die BZ für sozialneid und mitleid gleichzeitig sorgen.

Die genauen zahlen sind in diesem fall fast egal: die naiven sollen mitleid kriegen, während mit dem gleichen artikel die unterbezahlten arbeitnehmer gegen die arbeitslosen aufgehetzt werden.

lg
mm

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