Montag, 6. Oktober 2008

Schädliches Kindergeld

OECD warnt vor Erhöhung des Kindergeldes

SZ: Die Regierung in Deutschland plant eine Erhöhung des Kindergeldes. Das kann jährlich zwei Milliarden kosten. Ein richtiger Schritt?
Adema: Es sollte nicht darum gehen, mehr Geld auszugeben, sondern darum, es richtig auszugeben. Deutschland wäre besser dran, wenn der Schwerpunkt neuer Ausgaben so läge, dass es für Eltern leichter wird, den Anforderungen von Familie und Arbeit gerecht zu werden.
SZ: Nach skandinavischem Vorbild?
Adema: Skandinavische Länder haben sehr gute Bilanzen im Kampf gegen die Kinderarmut, und zwar bereits seit recht langer Zeit. Ihnen gelingt es besonders gut, viele Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wenn Paare Kinder haben, bleiben oft beide erwerbstätig.
Möglich ist das, weil diese Länder mit öffentlicher Unterstützung ein System aufgebaut haben, das es beiden Partnern ermöglicht, den Verpflichtungen von Arbeit und Familie nachzukommen. Natürlich existiert auch so etwas wie das Kindergeld. Aber daneben haben beide Partner die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt Geld zu verdienen. Wenn beide Elternteile verdienen, ist Armut ganz selten ein Problem

Quelle: SZ gefunden via Oeffinger Freidenker

Recht so. Was die SZ nicht schreibt: aus der Sicht der Ärmsten (ALG II Bezieher) könnte man das Kindergeld - ganz unabhängig von seiner Höhe - getrost ganz streichen. Denn da es als "Einkommen" angerechnet wird hat es auch keinen Einfluss auf deren Gesamteinkommen.

Außerdem ist es wohl ein äußerst zweifelhafter "Fortschritt", wenn die volle Arbeitskraft von zwei Menschen erforderlich ist, um eine Familie (nur) vor Armut zu schützen und die Trennung von Kindern und Eltern zur Voraussetzung wird, überhaupt Kinder aufziehen (lassen) zu können. Denn das bedeutet in der Konsequenz bloß: ("Erwerbs"-)Arbeitszwang für alle Arbeitsfähigen. Und zwar unabhängig davon ob auch sinnvolle und sich finanziell selbst tragende, dh. ein angemessenes Einkommen sichernde Vollzeitarbeitsstellen in ausreichendem Maß vorhanden sind. Die, die dann keine Arbeit finden, kann man dann mit Fug und Recht um so mehr drangsalieren - sie können ja arbeiten, also sollen sie's auch tun - notfalls in dem sie "freiwillige Bürgerarbeit" leisten.

Ich glaube übrigens nicht, dass die Forderung nach flächendeckende "professioneller" Betreuung von Kindern schon im Alter von unter drei Jahren, tatsächlich dem Kindeswohl geschuldet ist. Wenn überhaupt, dann gilt diese Forderung dem wohl eher zweifelhaften Wohl einer Gesellschaft, in der man mehrheitlich sich bereitwillig von Minderheiten erzeugten und aufrechterhaltenen ökonomischen Zwangslagen zu unterwerfen hat.

Hieß das pädagogische Patentrezept bis vor ein paar Jahrzehnten noch "Zwang zum Gehorsam" (und wenn es ein muss: mit Gewalt), so heißt es heutzutage: ("liebevolle") Dressur zum Selbstzwang. Denn das ist doch die grundlegende Erfahrung, die ein Kind in der Krippe macht: dass es nicht einfach machen (oder wenigstens darüber verhandeln) kann, was es will, sondern: dass andere über es verfügen und seine Lebenszeit einteilen dürfen (und dass [nur] ein solches Leben auch ein "gutes" Leben ist). Erzeugt wird so der "freie" Mensch, den man nur als Karikatur erträgt: als einen Menschen, der von kleinauf gelernt hat sich selbst "freiwillig" der lebenslänglichen systemischen Taktung freudig zu unterwerfen, der (sich) nicht (mit) sich selbst beschäftigt, sondern der beschäftigt werden muss und als Erwachsener zum wohlgeratenen "Beschäftigten" wird, kurzum: der gelernt hat Fremdbestimmung als Selbstbestimmung zu "begreifen".

Um Missverständnissen vorzubeugen: das ist kein Plädoyer für die grundsätzliche Abschaffung oder Ächtung jedweder außerfamiliärer Erziehung aber es ist ein Protest gegen die Ausweitung der Praxis, Menschen theoretisch quasi a priori politische Freiheit zuzugestehen und ihnen diese Freiheit a posteriori mehrheitlich praktisch wieder zu nehmen, indem man sie systemintern generierten ökonomischen Zwängen unterwirft. Ein Mensch dessen ganzes Leben in Erwerbsarbeit aufgeht, kann niemals ein zoon politikon werden - das wusste man schon im klassischen Griechenland. Dazugelernt hat man freilich, dass man auch den "Sklaven und Metöken" "gefahrlos" politische Rechte einräumen kann - solange man nur zu verhüten weiß, dass jene jemals auch real in die Lage kommen könnten, diese auch selbst wahrzunehmen.

1 Kommentare:

Markus,  8. Oktober 2008 um 11:40  

Allgemein läßt sich zu dem leidigen Thema der sozialen Wohltaten folgendes sagen:
Reicht man dem Volk den kleinen Finger, nimmt es gleich die ganze Hand! Geld- und machtgierig sind die kleinen Leute, eingebildet und selbstherrlich dazu und natürlich nicht zu vergessen arbeitsscheu und auf Kosten der Leistungsträger lebend.

Wie wohltuend heben sich da die braven Börsenspekulanten von den Sozialschmarotzern aus der Bevölkerung doch ab, mit ihrer treuherzigen Arbeitsweise ganz im Sinne des Gemeinwohls! Und was ist der Dank dafür?

;-)

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