Dienstag, 3. Februar 2009

Scheibenwischer: (zum) Schluss "mit lustig"

Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal eine Scheibenwischer-Sendung bis zum bitteren Ende ertragen habe - es ist jedenfalls schon ziemlich lange her. Und es muss zu einer Zeit gewesen sein, als man dort wenigstens gelegentlich noch den einen oder anderen Kabarettisten auftreten ließ. Doch selbst mit solchen Gelegenheitsauftritten wird künftig wohl endgültig Schluss sein. Denn das neue "Mastermind" der Sendung, der unerträgliche Kasperettist Mathias Richling hat, wie einer Spiegel-Meldung vom 31.01.2009 zu entnehmen ist, jüngst angedroht, die Sendung zu einer Art Alterssicherungsanstalt für abgehalfterte "Comedians", die selbst im sog. "Unterschichtenfernsehen" längst schon niemand mehr sehen will, umzugestalten.


Mathias Richling, ab März alleiniger Hausherr im ARD-"Scheibenwischer", will künftig auch Comedians in dem TV-Kabarett-Klassiker auftreten lassen. [...] Für die ersten Sendungen haben Ingolf Lück und Markus Maria Profitlich schon zugesagt. Richling ist aber auch mit Anke Engelke im Gespräch."Den Hochmut der Kabarettisten gegenüber den Comedians habe ich noch nie verstanden", sagt er. "Wir arbeiten alle mit den gleichen Hilfsmitteln. Kabarettisten arbeiten nur politisch aktuell."

Das sagt eigentlich schon alles über das Richlingsche "Niveau": die Mittel erübrigen jeden Zweck, sind (ihm) Selbstzweck. Was aber sollte man auch anderes erwarten dürfen, von einem gelernten Pausenclown, der seine Lacher offenbar seit je auf Kosten (persönlicher) menschlicher Schwächen und Unzulänglichkeiten generiert und nicht etwa durch scharfsinnige Attacken gegen die von den dergestalt verkasperten Personen vertretenen Inhalte?

Sein komisches Talent zeigte sich früh: Bereits als Jugendlicher unterhielt Richling seine Mitschüler mit Parodien von Konrad Adenauer oder Heinz Erhard, und auch einige seiner Lehrer hielt er damals durchaus für "parodiewürdig".
(ARD, "Beckmann")


Genau besehen verfügt Richling eigentlich nur über ein sehr bescheidenes singuläres Mittel, auf das er durchweg all seine Lachnummern gründet: sämtliche sachlichen Inhalte werden komplett ausgeklammert - sie stören nur. Seine "zahlreichen Parodien" politischer Akteure entpuppen sich bei näherer Betrachtung als nur eine einzige, im Grunde immer gleiche Nummer, die nicht einmal eine Parodie ist: es ist die Nummer des "Nonsens brabbelnden Etwas" in unterschiedlicher Gewandung, das aufgrund gewisser wechselnder äußerlicher Merkmale an den einen oder anderen - dem Publikum (als mächtig oder machtgierig) bekannten - Akteur des öffentlichen Lebens erinnert. Was Richling dem Zuschauer präsentiert, ist alles in allem nicht viel mehr als eine einzige drittklassige Dauerbüttenrede - Karneval forever!

Dabei ist Richling keine Schublade zu tief, um sie nicht noch nach Brauchbarem zu durchwühlen und den von ihm "parodierten" Zeitgenossen Merkmale anzudichten, die sie gar nicht besitzen. "Überzeichnen" nennt er das, er karikiere seine Opfer und das Überzeichnen sei ja ein wesentliches Merkmal der Karikatur: "Ich zeige die Figuren nicht deckungsgleich, sonst wäre ich Imitator. Es geht um Überzeichnung." Überzeichnen meint freilich, tatsächlich gegebene charakteristische Merkmale besonders zu betonen und nicht etwa solche Merkmale zu erfinden, um die karikierten Personen so darzustellen, wie sie "sein könnten". - Karikieren bedeutet eben nicht einfach: jemanden nach besten Kräften der Lächerlichkeit preiszugeben - dass Richling das noch lernen könnte steht freilich nicht zu befürchten.

Was die wenigen noch verbliebenen, nach wie vor unverdrossenen Scheibenwischer-Zuschauer künftig erwarten dürfen, kann man sich schon jetzt leicht ausrechnen:

Zum Start hat auch das alte "Scheibenwischer"- Studio mit den klappernden Türen ausgedient. Richlings Bühne wird eine Art Nachrichtenstudio sein. (SpOn)

"Eine Art Nachrichtenstudio" - Wochenshow ick hör Dir trapsen. Wenn es ganz schlimm kommt, wird es aber womöglich nicht bloß ein lauwarmer Aufguss von Ingolf Lücks "Wochenshow", was da auf uns zukommt, sondern ein noch abgestandenerer von Rudi Carrels Tagesshow (ARD, 1981 bis 1987).

Nun könnte man Richling zugute halten, dass er sich selbst ja immerhin nicht etwa als Innovator sieht:

Ich erfinde das Rad des Kabaretts nicht neu, warum auch, wir sind doch mit mehr als zwei Millionen Zuschauern sehr erfolgreich. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass vom Tempo her etwas mehr Richling durchscheinen wird. Kabarett muss so beweglich bleiben, wie jede Nachrichtensendung auch. (digitalfernsehen.de)


Gut ist, was Quote bringt. Und wenn gut ist, was Quote bringt, dann ist natürlich die Quote auch der einzig gültige Maßstab für "Qualität".

Nun ist gegen Clownerien und Comedians im Grunde gar nichts einzuwenden, - ja: ich selbst habe mich gelegentlich bei der einen oder anderen Comedy-Sendung gekringelt vor Lachen. Es ist allerdings eines, ob man als Clown im Zirkus oder Komiker im Kinofilm sein Leben lang die mehr oder weniger gleiche Nummer gibt, oder ob man damit omnipräsent auf fast allen Fernsehkanälen in schöner Regelmäßigkeit den Zuschauern auf den Senkel geht. Wenn alle Jahre mal der Zirkus in die Stadt kommt, dann ist der Eindruck vom letzten Besuch bereits verblasst - man freut sich, dass es "endlich mal wieder" soweit ist. Angesichts der massiven Präsenz der immer gleichen "Spaßmacher" auf fast allen Fernsehkanälen kippt die ursprünglich freudige Erwartungshaltung aber schnell zu: "Nein, bloß nicht der schon wieder!"

Ich denke da an Comedians wie Atze Schröder und Anke Engelke. Es geht einfach darum, ihnen ein Forum zu bieten, damit sie sich auch mal in der politischen Satire verwirklichen können. (digitalfernsehen.de)


Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: da soll Leuten, denen man ohnehin schon kaum entkommen kann, "ein Forum" geboten werden, damit sie sich auch mal "verwirklichen" können - was machen die eigentlich, wenn die in ihrem angestammten Metier, der sogenannten "Comedy", unterwegs sind: sich selbst verarschen?

Interessant an dieser Abwärtsentwicklung des "Scheibenwischer" finde ich übrigens die (unfreiwillige?) Parallele zum Niedergang von Richlings Lieblingsschublade - der SPD. Hier wie dort werden Geist und Haltung ersetzt durch blindes Machertum. Wer halbwegs intelligent und/oder aufrecht daherkommt wird vergrault und übrig bleibt ein Häuflein besinnungsloser (Spaß-)macher, die einzig auf Aktion und "Tempo" setzen und dabei im Rausch der Geschwindigkeit anscheinend gar nicht mehr mitkriegen, dass sie sich nur immer schneller im Kreis (und um sich selbst) drehen. Und so wie man als Sozialdemokrat heute kaum noch in der SPD bleiben oder die SPD wählen kann, bleibt einem als Kabarettist oder Freund des Kabaretts im Fernsehen vorerst eigentlich nur, sich schleunigst in die Anstalt einliefern zu lassen. Wobei selbst hier noch vor allzu großer Euphorie gewarnt werden muss, denn auch in der vielgelobten Sendung "Neues aus der Anstalt" tauchen zumindest für meinen Geschmack schon jetzt zu viele solcher doch eher unpolitisch-schlichten "Spaßmacher" auf.

Apropos Karneval: dieses Wort kommt vom lateinischen "carne vale!", was so viel bedeutet wie: "Leb wohl Fleisch!" - Und das ist es dann auch, was vom ehemals so brillanten "Scheibenwischer" noch bleiben dürfte: ausgesprochen magere Kost.

5 Kommentare:

aebby 3. Februar 2009 um 15:22  

ich lese und fühle mich bestätigt, dass ich seit Jahren kaum noch in den Fernseher schaue, traurig ist es trotzdem ... das hat mit dem Scheibenwischern alter Tage nichts mehr zu tun, aber im Sinne der Quote wird die Sendung nicht umbenannt.

epikur 3. Februar 2009 um 17:51  

Ingolf Lück und Markus Maria Profitlich, wenn ich diese Namen schon höre. Na Hilfe!!!

Da ist jemand lustig auf den Boden gefallen: HAHA...das ist aber lustig *gähn*

Zu dem ganzen TV-Comedy Müll hat mein werter ZG-Kollege jtheripper in unserer Rubrik "Nicht vergessen...abschalten" einen netten Artikel geschrieben. Hier nachzulesen.

Anonym,  3. Februar 2009 um 19:31  

Moin!

http://www.focus.de/kultur/medien/tid-12383/medien-mehr-adelung-ist-nicht-drin_aid_344983.html

Richling zum Thema Ypsilanti. Kommentierung überflüssig.

Auch sein Kollege Bruno Jonas begibt sich in die Gosse.Ob's am Mattze lag?

Ende Januar '09 lief folgender Teaser auf hr1
(fast wörtlich) zu Jonas' neuem Programm:

"Ja Kinder,da weiß man ja nie! Klein, in der Krippe,
da sind sie ja alle süss!Aber wer weiß,nach 20 Jahren,da hat man auf einmal eine Andrea Ypsilanti vor sich...!"

Und der nennt sich immer noch Kaberettist!

Die Herren Richling und Jonas haben für mich auf immer das Zeitliche gesegnet!

Und jetzt spielt Richling den Trojanischen Gaul,damit abgehalfterte Sat1 -Possenreißer zu den Gebührenfinanzierten dürfen.Daß Sat1 klamm ist,ist ja unterdessen durchgesickert...

Hirschel 7. Februar 2009 um 20:46  

Seit Matthias Riechlings Ypsilanti "Parodie" ist der Scheibenwischer auch für mich Geschichte. Ypsilanti und Scher hatten nicht zuletzt wegen ihrem ambitionierten Energiewende Programm zunächst 8 Prozent Zugewinn. Gegen den Trend! Vermasselt habens diejenigen, die der Hessen SPD das idiotische Anti-Linke Versprechen abgenötigt hatten (oder war Hessens SPD wirklich selbst so dumm gewesen? Kann ich mir zumindest von Hermann Scher nicht vorstellen) und die disidenten Heuchler. Dass eine SPD Frau zunächst mit Anti Harz IV und Öko gepunktet hatte, also mit Signalen, die den selbstgefälligen Schörerismus in vielen Redaktionsstuben in Frage stellte, ließ diese Zunft nach dem Rückfall ins Unpolitische zur bellenden Meute werden, die blind vor Hass "ins Feuer mit der gescheiterten Hexe!" schrien. Riechling machte dazu dem Pausenclown. Sehe ich auch so.

Gruß hh

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