Freitag, 29. Februar 2008

Ruck Zuck

"Durch Deutschland muß ein Ruck gehen"


Roman Herzog am 26. April 1997 in einer Rede im Hotel Adlon in Berlin.

Nun, nach fast elf Jahren ist er - zumindest angeblich - da, der Ruck, und keiner will ihn haben.

Nein ich meine nicht den sog. "Linksruck" der SPD, sondern den Ruck den hessische, niedersächsische und hamburger Wähler sich, sowie die Stimmen, die jene der sog. Linken gegeben haben - ein Zeichen, dass sich etwas bewegen, dass etwas verrückt werden muss, wenn denn die Verhältnisse hierzulande nicht immer verrückter werden sollen.

Zugegeben - Die Linke, das ist auch für mich eher eine Enttäuschung, als eine wirklich signifikante Bereicherung der politischen Landschaft und nüchtern betrachtet ist sie sicherlich für keinen Ruck gut, der wirkliche Erschütterungen auszulösen geeignet wäre und zu signifikanten gesellschaftlichen Veränderungen führen könnte. Dazu ist diese Partei - und das ist wohl der größte Vorwurf den man ihr machen darf - viel zu sehr um bürgerliche Anerkennung - besser: um Anerkennung als eine letzthin bürgerliche Partei - bemüht und davon haben wir wirklich mehr als genug. Dass eine demokratische Partei nicht notwendigerweise auch eine bürgerliche Partei sein muss, das ist eine Lektion, die hierzulande - auch und gerade von der "Linken", so sie denn einmal als eine ernstzunehmende Alternative gelten will - erst noch gelernt werden möchte.

Allein dieser widerliche, vorauseilende Gehorsam im Fall Christel Wegner. Man kann zu deren Äußerungen stehen wie man will - ich jedenfalls will weder die Stasi noch die Mauer wiederhaben - aber man hätte der Wegner wenigstens die Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben müssen, statt sie im Ruck-Zuck-Hau-Ruck-Verfahren aus der Fraktion auszuschließen. Das ist keine Frage der politischen Haltung, sondern eine des menschlichen Anstands. Inzwischen hat die gute Frau sich zu dem Panorama-Beitrag geäußert und behauptet nun, dass ihre Aussagen in dem Beitrag verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen wiedergeben worden wären. - Wenn dem nicht so sein sollte: warum weigert sich die Panorama-Redaktion dann, das Interview in voller Länge der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

"in dubio pro reo" - das scheint zumindest dann nicht zu gelten, wenn es dem Image und der ersehnten Anerkennung durch die übrigen spießbürgerlichen Polithanseln in diesem Land im Wege stehen koennte.

"Ja das bürgerliche Interesse möchte gerade jedes andere, ihm entgegengesetzte, in das eigene Scheitern hineinziehen; so macht es, um das neue Leben zu ermatten, die eigene Agonie scheinbar grundsätzlich, scheinbar ontologisch. Die Ausweglosigkeit des bürgerlichen Seins wird als die der menschlichen Situation überhaupt, des Seins schlechthin ausgedehnt."

Ernst Bloch. Das Prinzip Hoffnung.


Das ist das Dilemma.

3 Kommentare:

Rob,  29. Februar 2008 um 15:09  

Ein Problem ist wohl auch, dass sich die "neue" Linkspartei sehr gemütlich in der bürgerlichen Gesellschaft eingelebt hat. Grundsätzliche Systemkritik kann ich in ihren Forderungen nicht erkennen.
So finde ich weder das gegenwärtige Rentensystem - bei dem die ehemals Besserverdienenden die sich eine private Vorsorge leisten könnten problemlos leben können während die Geringverdiener weder eine ausreichende Rente noch die Möglichkeit zur Vorsorge haben) noch das von VW-korrumpierten Großgewerkschaften und Unternehmern getragene Tarifsystem besonders gerecht. Gerade diese beiden Dinge scheinen allerdings bei der Linkspartei und der SPD sakrosankt zu sein - im Gegensatz zu den wirklich "bürgerlichen" Parteien, die derartige Wachstumsbremsen am liebsten komplett über Bord werfen würden!

Roger Beathacker 29. Februar 2008 um 23:04  

Naja, speziell zum Thema Rente findet sich ja manch erhellendes auf Albrecht Muellers Nachdenkseiten (siehe Linkliste)- deswegen spar ich mir hier dazu ausfuehrlichere Kommentare.

Immerhin scheint es in gewissen Kreisen eine steigende Tendenz zur Privatisierung des Sozialstaates zu geben, was ich fuer eine sehr bedenkliche Angelegenheit halte - in ein paar Tagen vielleicht mehr dazu ...

Rob 1. März 2008 um 17:22  

Ich frage mich, warum die Rente überhaupt noch Einkommensabhängig sein soll. Warum verdient ein ehemaliger Manager mehr fürs nichtstun als ein ehemaliger Briefträger? Aber das ist eher ein Thema für einen eigenen Artikel

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