Mittwoch, 30. September 2009

Man spricht deutsh (2)


Mittlerweile gibt es ein Video von Westerwelles peinlicher Pressekonferenz.

Der Mann spricht deutsch - aber der Mann versteht es nicht.

Dieser Mensch ist offenbar nicht in der Lage in seiner eigenen Sprache eine inhaltlich angemessene Antwort auf die ins Deutsche übersetzte Frage zu geben. Die Frage nach dem Konzept versteht er (nur) als Frage nach dem Amt. PISA lässt grüßen... Doch seht selbst:



:-(

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Dienstag, 29. September 2009

Man spricht deutsh

Deuschland kann es besser. Ganz Deutschland?

Keine Ausnahme für die britische BBC: Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg hat sich FDP-Parteichef Guido Westerwelle geweigert, eine Frage auf Englisch zu beantworten - nicht einmal anhören wollte er sie. "Wir sind hier in Deutschland", schalt er den Reporter.
Quelle: SpOn

Was vermutlich herausgekommen wäre, wenn Westerwelle den Wunsch des Reporters erfüllt hätte, kann man sich in folgendem Clip ansehen und -hören.



Nachdem ich das gelesen, gesehen und gehört habe und der SpOn in seiner Meldung noch das "fließende Englisch", in dem K.T.v.G. mit den Vertretern der angelsächsischen Presse zu parlieren pflegt, hervorhebt, möchte ich fast wetten, dass der nächste deutsche Außenminister nicht Guido Westerwelle, sondern Karl-Theodor usw. v. Guttenberg heißen wird. Zunmal Guttenberg vor seiner Blitzkarriere im Wirtschaftsministerium ja als außenpolitischer Experte gepriesen wurde.

Bis das entschieden ist, könnte man sich evtl. schon mal mit der Frage beschäftigen, auf welche Weise und durch welche Posten (speziell für Westerwelle, der ja außer Parteivorsitzender offenbar nichts gelernt hat) die CDU/CSU der FDP diesen "Change" wohl versüßen müsste, damit der gute Guido diese Kröte schluckt.

;-)


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Nach der Wahl: Die SPD sieht Erklärungsbedarf

Ich glaube selten wird so viel Blödsinn geredet wie in "Wahlanalysen", vor allem, wenn diese Analysen von den gewählten oder abgewählten Akteuren selbst vorgenommen werden. Kai Uwe Benneter, der seinen Berliner Wahlkreis trotz (oder wegen?) der besonderen Unterstützung durch den leibhaftigen Gerhard Schröder verloren hat, war gestern im rbb zu sehen und klammerte sich fest an den Glauben, Hartz IV sei eine gute Sache für die Betroffenen - allein man habe dies nicht richtig erklärt und es sei nun mal sehr erklärungsbedürftig.

Lieber Herr Benneter,

glauben Sie wirklich, dass man Leuten, die die zweifelhaften Segnungen Ihrer Hartz-Gesetzgebung inzwischen zum Teil über Jahre erfahren haben und somit zumindest als "Praktiker", wenn nicht gar als ausgewiesene Experten gelten dürfen, noch irgendwas von diesem Schund erklären müsste? - Vielleicht sollten Sie sich Ihren Mist lieber einmal selbst erklären lassen und zwar von Menschen, die schon deshalb etwas davon verstehen, weil er für sie die Realität ist.

Und von Franz Müntefering list man bei SpOn:
Am Programm oder am Kandidaten habe das Desaster zwar nicht gelegen, aber irgendwann im Laufe der letzten elf Jahre Regierungsarbeit müsse wohl der Kontakt zum Wähler verloren gegangen sein.

Ah - man hatte also ein prima Programm und einen Top-Spitzenkandidaten, doch die Leute haben das nicht mitgekriegt? Da waren womöglich die Plakatwände zu klein oder die Erklärungen zu komplex?

"Unser Land kann mehr." Das sind doch mindestens drei Worte zuviel. Ein einfaches "Mehr!" wäre vollkommen ausreichend und viel wirkungsvoller gewesen. Glauben Sie mir.

Von berlin by bike


Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass man auf der Hauswand im Hintergrund "ausversehen" den Guido abgebildet hat und nicht den Frank Walter. Dumm gelaufen.


In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die mir eine freundliche junge Frau heute Mittag, als ich mich - gerade vom JobCenter kommend - auf dem Heimweg befand, überraschend zum Geschenk machte, las ich übrigens in großen Lettern auf der ersten Seite:

"Schwarz-Gelb kann regieren"

Von berlin by bike

Woher wissen die das bloß? "Schwarz-Gelb" hat mit dem Regieren doch noch gar nicht angefangen.

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Montag, 28. September 2009

SPD: Schlank und mit Frank auf dem Weg in die Moderne

Schlank ist schick. Alles wird kleiner, schmaler, handlicher. Man denke nur an Telefone, Computer, (Flach!)Bildschirme, an Mikroelektronik überhaupt. Und von allem hat man heute mehr als in vergangenen Zeiten. Hatte ich z.B. früher nur eine poplige siebenstellige Rufnummer, so besitze ich heute gleich vier davon und drei von ihnen sind sogar achtstellig! Natürlich gehört zu jeder Nummer auch ein Telefonapparat, einer handlicher als der andere und an einem "Handy" fehlt es mittlerweile selbst bei mir nicht mehr. Und das ist noch gar nichts. Selbst faule arbeitslose "Sozialschmarotzer"sollen inzwischen, wie man liest, über nicht weniger als drei Handys und die gleiche Zahl an Flachbildschirmen verfügen. Klar, dass dieser nun schon geraume Zeit anhaltende Trend früher oder später auf weitere Bereiche des Lebens übergreifen musste und auch die Welt der Politik nicht verschonen würde.

Erinnern wir uns: in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts tummelten sich lediglich drei Parteien im Deutschen Bundestag. Und dabei wurde diese bescheidene Menge von manchem noch als zu groß und die Größe der kleinsten Partei von den beiden größeren als viel zu klein empfunden, was zur Bildung der ersten "Großen Koalition" führte, die unter anderem ja das Ziel verfolgte, sich des ungeliebten "Züngleins an der Waage" mit Hilfe einer Wahlrechtsreform zu entledigen. Ein Vorhaben das dann freilich aufgegeben wurde und inzwischen so gut wie ganz und gar der Vergessenheit anheim gefallen ist. Heute hingegen besiedeln fünf Fraktionen den Bundestag und in manchen Länderparlamenten findet sich sogar eine noch stattlichere Anzahl.

Es spricht inzwischen eindeutig für das politische Genie von Gerhard Schröder, dass er diesen Trend frühzeitig erkannt und die SPD behutsam auf den Weg zur Moderne gebracht hat. Leider konnte er die Früchte seiner in weiser Voraussicht eingeleiteten Modernisierungsmaßnahmen nicht in vollem Umfang selbst ernten; das blieb seinen gelehrigsten Schülern vorbehalten, die das Ziel, eine supermoderne, todschicke und gertenschlanke Partei mit einem als heutzutage als ideal erachteten "Stimmgewicht" zu formen nur ganz knapp verfehlt haben. Immerhin hat die bereits teilmoderniserte SPD unter der Führung von Steinmeier und Müntefering die nur mühsam nachhinkende CDU schon jetzt weit hinter sich gelassen. Es gelang aber (noch) nicht jene magische, bei ca. 20 Prozent liegende Grenze zu überwinden, unterhalb derer sich die runderneuerte SPD endlich auf Augenhöhe mit der Mehrzahl der im Bundestag vertretenen Parteien befände. Doch wenn die Schröderschen Zauberlehrlinge halten, was sie gestern Abend unmittelbar nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen dem Volk verkündet haben und den einmal angetretenen Marsch in die Moderne an der Spitze der ruhmreichen Sozialdemokratie wirklich so tapfer und unverzagt fortsetzen wie angekündigt, dann - ja dann wird es in vier Jahren todsicher klappen mit dem Idealgewicht und die SPD wird Gerdtenschlank und feengleich selbst die Grünen noch in den Schatten stellen.

Ich drück' Euch die Daumen "Genossen"!

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Freitag, 25. September 2009

Wer die Wahl hat ... welche Wahl hat er?

Es ist DIE Sensation des Bundestagswahlkampfs: Ex-SPD-Vize und Ex-Superminister Wolfgang Clement wirbt öffentlich für die FDP!
[...]
„Deutschland muss nach meiner Überzeugung wieder ein Land des Fortschritts werden. Dafür unterstütze ich bei dieser Wahl mit meiner Stimme Dr. Guido Westerwelle. Wolfgang Clement.”
Quelle: BILD
"DIE Sensation" - so ein Unsinn; es ist fast nichts so absehbar gewesen, wie diese - im Grunde nur konsequente - Clementsche Entscheidung und dass er mit ihr hausieren würde. Gekränkte Eitelkeit ist ein starkes Antriebsmittel. Verwunderlich ist bestenfalls, dass Clement diser Partei seiner Wahl nicht längst schon selbst beigetreten ist. Und wirklich wünschenswert wäre, dass die übrigen neoliberalen U-Boote in der SPD endlich ebenso klar "Flagge zeigen" würden. Nur keine Angst, ihr "Steinis" & Co_nsorten; niemand wird es wagen - das Beispiel Clement hat es längst belegt - euch deswegen etwa aus der Partei auszuschließen.

Nun aber zu Wichtigerem: In den letzten Tagen häufen sich hier Besuche, die über Suchmaschinenanfragen wie "Gründe gegen die SPD", "gründe nicht spd wählen" oder "nie wieder spd" bis dato in der Regel bei einem etwas älteren Beitrag landen. Nun weiß ich nicht, ob es sich bei diesen Suchenden um enttäuschte Anhänger der genannten Partei handelt oder um eingefleischte Gegner der SPD auf der Suche nach "Wahlkampfmunition. Beides scheint mir gleich möglich.

Den enttäuschten SPD-Anhängern unter den Suchenden sei gesagt, dass, wer bis heute noch nicht weiß, warum er deiner Stammpartei bei der anstehenden Wahl seine Stimmer verweigern sollte, und dem auch der obige Hinweis auf den Ex-"Genossen" Clement nicht Grund genug dazu wäre, in dieser Hinsicht ohnehin kaum noch zu helfen sein dürfte; er wähle, wie er es gewohnt ist. Etwa nach Argumenten suchenden Gegnern hingegen sei empfohlen, sich jede weitere Suche zu schenken, da die SPD offensichtlich über einen integrierten Selbstzerstörungsmechanismus verfügt, der längst auf Hochtouren läuft und zusätzliche Attacken von außen inzwischen als reine Zeitverschwendung erscheinen lässt.

Wer bei dieser Wahl tatsächlich sozialdemokratisch wählen möchte, dem bleibt im Grunde nur eine Möglichkeit: "Die LINKE" wählen. Für undogmatische Linke, die sich der Aufklärung verpflichtet fühlen, wird es schon schwieriger. Diesen - da muss ich mich leider Jutta Dithfurts Ansicht, für die sie kürzlich vom "Parteibuch" verbal geprügelt wurde, anschließen -, bietet sich im Grunde genommen derzeit gar nichts wirklich Wählbares. Ich zumindest - und offenbar auch manch anderer - sehe gegenwärtig weit und breit keine Partei, deren Programatik ich mich uneingeschränkt (ja - nicht einmal weitgehend) anschließen könnte. Dennoch will ich auf meine geringe Möglichkeit der Einflussnahme auf den Politzirkus nicht gänzlich verzichten und werde deshalb am Sonntag (mit beiden Stimmen) Die Linke wählen und zwar nicht als "das kleinere Übel", sondern eher als den größemöglichen (noch vertretbaren) Schrecken. Um - wie Frau Dithfurt es empfiehlt - ungültig zu wählen, bin ich offenbar noch nicht desillusioniert genug.

Von berlin by bike


btw:

Nach wie vor wird in diesem blog unverdrossen nach "Andrea Nahles' Titten" gegoogelt. Liebe Leute, die gibt es hier nicht. Alles was ich Euch an schlüpfrigen Inhalten anbieten kann sind die T.tt.. von Angela Merkel und Vera Lengsfeld.


Von berlin by bike


Und nun gebt endlich Ruhe!


;-)

Kleine Skizze zum bisherigen Wahlverhalten des Autors:

1970 mit 14 Jahren ins Berufsleben (Maschinenschlosserlehre) eingetreten. Während der Ausbildung realtiv aktives Mitglied der IG-Metall. In den siebziger Jahren überzeugter SPD-Wähler, der in dieser Zeit - da lässt mich mein Gedächtnis leider im Stich - seine Zweitstimme gelegentlich auch der FDP überlassen haben mag. In den Achtzigern frühzeitig als "Kulturschaffender" aktiver Unterstützer der AL-Berlin, der u.a. anlässlich des Einzugs der AL ins Berliner Abgeordnetenhaus 1981 bei der Wahlparty zum Tanz aufspielte. Bis 1998 Rot-Grün wählend. Größter Fehler: 2002 Grün-Grün (Direktkandidat Ströbele) gewählt. 2005 mit einigen Bauchschmerzen Die Linke und abermals Ströbele. Diese Kombination wird es dieses Mal allerdings nicht geben. ;-)


P.S.
Eine Renaissance erlebt offenbar gerade die Fahndung nach Frau Dr. Rita Knobel-Ulrich. Weiß der Geier warum. Vielleicht kann mich mal jemand darüber aufklären, was der aktuelle Anlass dafür sein könnte.

P.P.S.
Bitte beachten: Heute gibt es hier ausnahmsweise mal wieder zwei Artikel. Bitte schaut Euch auch den älteren Beitrag an: Brandaktuelles Interview: Merkel redet Klartext. Besten Dank!




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Brandaktuelles Interview: Merkel redet Klartext

Naja - so gut sie's eben kann: "Bitte schön!"




;-)

Es gibt freilich auch gesprächigere Frauen in der Politik, aber was nützt das, wenn manN während des Interviews "ganz woanders" ist?



:-D




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Mittwoch, 23. September 2009

Ein Bild zum Wahlkampf (II)

Heute: die einsame Kanzlerin und das Guidomobil 2.0



Die einsame Kanzlerin
Von berlin by bike

Von berlin by bike


Guidomobil 2.0
Vermutlich ein neues Modell von Opel: der Mantra ;-)

Von berlin by bike

Fürs Vollformat (1600*1200) bitte die Bilder anklicken.

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Montag, 21. September 2009

Mantrafahrer Westerwelle

"Ich will Ihnen die Zahlen noch einmal nennen, weil sie auch für unsere Zuschauer wichtig sind: Die oberen 50 Prozent der deutschen Steuerzahler erwirtschaften etwa 94 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens der Republik. Sie belasten diejenigen, die den Karren ziehen, immer mehr. Ich sage Ihnen, wer dabei unter die Räder kommt: die Ärmsten der Armen, die Schwächsten der Schwachen. Die leiden unter Ihrer Politik."
Guido Westerwelle

Eine Lüge wird dadurch nicht wahrer, dass sie pausenlos wiederholt wird. Niemand weiß dieses vermutlich besser als der Lügende selbst. Die Lüge muss aber schon deshalb stets aufs neue ins Land geplärrt werden, damit die Wahrheit nicht zur Sprache kommt.

Das ist das Ergebnis einer atemberaubenden Mehrbelastung der Mitte unserer Gesellschaft bei Steuern und Abgaben. Statt nur über soziale Gerechtigkeit sollte mehr über Leistungsgerechtigkeit geredet werden. Dass mittlerweile 50 Prozent der Steuerzahler 94 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens des Staates erarbeiten, wird immer wieder verschwiegen.
Quelle: Tagesspiegel

Die Hälfte aller Steuerzahler trägt etwa 94 Prozent der gesamten Einkommenssteuerlast. Wenn diese Mitte die Lust an Leistung verliert, dann leiden darunter die Schwächsten zuerst. Alles, was verteilt werden soll, muss vorher von jemandem erarbeitet werden. Wer verhindert, dass sich Anstrengung lohnt, wer verhindert, dass Fleiß sich auszahlt, wer die Leistungsgerechtigkeit abschafft, der wird jede soziale Gerechtigkeit verlieren.
Quelle: FDP Elsdorf

Westerwelle: Keiner außer der FDP fragt: Was heißt das eigentlich für die Mittelschicht? Für jene 50 Prozent der Bürger, die übrigens 94 Prozent des Einkommensteueraufkommens erarbeiten? Die vergessene Mitte muss mehr Steuern und Abgaben zahlen, die Reallöhne sinken, sie muss immer mehr privat für das Alter vorsorgen – und mehr für die eigene Gesundheit und für die Bildung der Kinder bezahlen. Die Mittelschicht wird derzeit ausgepresst wie eine Zitrone.

SZ: Was ist das Gegenkonzept?

Westerwelle: Dass wir eine Politik betreiben, in der mehr Netto vom Brutto bleibt. Das wird ein Kernanliegen unseres Parteitags sein: ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem zu verbinden mit sozialer Sicherheit für diejenigen, die kein oder zu wenig Glück im Leben haben. Das erreichen wir durch die Kombination mit dem Bürgergeld zu einem Steuer- und Sozialmodell aus einem Guss.
Quelle: Sueddeutsche Zeitung

Guido Westerwelle, Parteivorsitzender der FDP, sagt, 50 Prozent der Steuerzahler in Deutschland erwirtschaften 94 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens des Staates. Stimmt das?

Christoph Lütge:
In der Größenordnung trifft das zu. Die Frage ist, was daraus folgt. Aus guten Gründen haben wir kein nach Steuerklassen gestaffeltes Wahlrecht. Allerdings kann es für eine Demokratie bedenklich werden, wenn sich große Teile der Bevölkerung politisch nicht mehr ausreichend repräsentiert sehen.
Quelle: "hart aber fair"

Der Kern dieser Lüge besteht in der Behauptung, dass diejenigen, die die Steuern zahlen, diese immer auch selbst vollumfänglich erwirtschaftet oder gar "erarbeitet" hätten. Löhne und Gehälter stehen eben nicht in proportionalem Verhältnis zur "wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit" der Gehaltsempfänger, sondern sind in erster Linie Ausdruck von Machtverhältnissen. Während der Inhaber eines Friseursalons oder einer Kette solcher Salons sich sehr wahrscheinlich zu jenen mysteriösen 50% derjenigen zählen darf, die nennenswerte Einkommensteuerbeträge an den Fiskus abführen, wird man seine Angestellten mehrheitlich ganz sicher der anderen - "nichtzahlenden" - Hälfte zuordnen müssen. Und in letzter Konsequenz sind es eben diese Angestellten, die auch die Steuern, die ihr Arbeitgeber zahlt, am Ende "erwirtschaftet", vor allem aber: erarbeitet haben.

Den Löwenanteil des Einkommenssteueraufkommens zahlen mithin nicht etwa diejenigen, "die den Karren ziehen", sondern vor allem wohl diejenigen, welche die eigentlichen Zugtiere, die zu einem wachsenden Anteil aus Geringstverdienern bestehen, anzutreiben wissen. Viele "fleißige" Einkommenssteuerzahler hingegen erwirtschaften im engeren Sinne gar nichts, oder worin bestünde etwa die unmittelbar wirtschaftliche Tätigkeit eines Abgeordneten?

Natürlich gibt es eine sehr einfache Möglichkeit, dieses Ungleichgewicht zu beseitigen und die Basis derjenigen, die als Zahlende maßgeblich zum Einkommensteueraufkommen beitragen, erheblich zu vergrößern: dazu müsste man einfach jede Arbeit so fair bezahlen, dass sie nicht nur das Existenzminimum sichert, sondern soviel abwirft, dass ein jeder der Lohnempfänger zum Einkommenssteuerzahler "aufsteigt". Ein erster Schritt zu dieser Form "ausgleichender Steuergerechtigkeit", wäre die Einführung eines mehr als existenzsichernden flächendeckenden Mindestlohnes.

Es liegt aber auf der Hand, dass die liberalen Strategen diese Option nicht befürworten können, sondern sie sogar aufs Schärfste bekämpfen müssen. Schon weil dieses schöne "Argument" sonst nicht länger verfügbar wäre.

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Friseure durchschnittlich 1315 Euro brutto im Monat (Gesamtschnitt aller Berufe 3093 Euro, Tariflöhne siehe unten). Damit liegen sie am unteren Ende aller Berufe. Jeder Postbote, Wäscher oder Glasreiniger verdient erheblich mehr.

Der Grund für die Hungerlöhne: Trotz jahrelanger Forderungen gibt es immer noch keinen Mindestlohn für die Friseurbranche. Deshalb werden die Löhne geringverdienender Friseure (z.B. Friseure in Sachsen nur 600 Euro monatlich) mit Hartz4-Zuschüssen und Wohngeld aus Steuergeldern aufgestockt (siehe Grafik). Man kann z. B. bei Billigketten durchaus von einem "Haarschnitt auf Staatskosten" sprechen.
Quelle: hairweb

Die Friseurinnen und Friseure verdienen nicht wenig, weil sie wenig "leistungsfähig" wären, sondern weil man ihnen nicht mehr zubilligt und weil sie nicht über die Macht verfügen, ein leistungsgerechtes Einkommen für sich durchzusetzen.

Ein anderer wackliger Punkt an Westerwelles Mantra ist die Datenbasis. Woraus besteht eigentlich diese übelst belastete Hälfte von Einkommenssteuerhelden wirklich? Mal heißt es, sie bestünde aus "50 Prozent der deutschen Steuerzahler". Steuerzahler ist aber in diesem Land praktisch jeder, der irgendwo Geld ausgibt, auch als Kind, Greis oder Versehrter. Da die Erwerbsquote aber unter 50% liegt, kann Guidos These so jedenfalls nicht stimmen. Mein Gemüsehändler um die Ecke hat freilich (noch) keinen deutschen Pass, ist demnach zwar Steuerzahler, aber offenbar doch kein "deutscher Steuerzahler". Was nun? An anderer Stelle ist von "jene[n] 50 Prozent der Bürger" die Rede, was die Datenbasis noch einmal verändern müsste, nämlich um diejenigen, die selbst gar kein Geld ausgeben (können).

Westerwelles Parteifreund Solms drückt sich da zumindest scheinbar ein wenig präziser aus, wenn er nämlich sagt:

"In Deutschland tragen die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher mehr als 50 Prozent der Einkommensteueraufkommens und das untere Viertel der Einkommensbezieher zahlt gar keine Steuern. Es wird nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert. Das Steuerrecht wirkt in ausreichendem Maße umverteilend. Eine weitere Steuerbelastung für höhere Einkommen wirkt leistungsfeindlich und belastet die mittelständische Wirtschaft beispielsweise bei der Möglichkeit, Eigenkapital zu bilden. Wer darüber hinaus weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stellen möchte, dem stehen freiwillig vielfältige Möglichkeiten offen – über gemeinnützige Stiftungen um Beispiel."
Quelle: Hermann Otto Solms

Doch Stop! - Kindern von Hartz-IV-Empfängern wird bekanntlich das Kindergeld als Einkommen angerechnet. Und natürlich sind auch ALG I oder II, Renten usw. Einkommen. Was also ist denn nun wirklich die "Grundgesamtheit" derjenigen, die diese ominösen 50% ausmachen sollen?

Mich würde übrigens noch sehr interessieren, an wen Christoph Lütge wohl denkt, wenn er von "große[n] Teile[n] der Bevölkerung politisch nicht mehr ausreichend repräsentiert sehen" spricht. Aber das waere dann wohl ein anderes Thema.

Was mich bereits seit geraumer Zeit geärgert hat, ist der Umstand, dass Westerwelle dieses Mantra allerorten unverdrossen runterbeten darf, ohne dass jemals einer seiner Gesprächspartner oder Mitdiskutanten auf die Idee käme, es überhaupt auf seinen Gehalt zu prüfen. Was hiermit hoffentlich wenigstens einmal geschehen ist.

Von berlin by bike


Und noch ein Nachtrag - Da war doch noch was?:
Er will merkbar immer noch "die Mitte" hinter sich bringen - sonst hat man ja gerne mit den oberen 5% oder 10% der Steuerzahler argumentiert, wie man z.B. auf den Nachdenkseiten lesen kann: "Die oberen zehn Prozent der Steuerpflichtigen zahlten 2006 rund 57 Prozent der gesamten Einkommensteuereinnahmen des Bundes, wie die „Sächsische Zeitung“ unter Berufung auf die jüngsten Steuerstatistiken des Bundesfinanzministeriums berichtet. 2004 waren dies nur knapp 53 Prozent." - aber inzwischen muss man selbst bei den deutschen Deppen daruf gefasst sein, dass sie auf die Idee kommen, dann sogleich nach der Verteilung von Einkommen und Vermögen zu fragen und das zu Recht, denn wenn man das liest, dann ist die breite Mitte, so "unfair" behandelt nicht: es bleiben nämlich 40% "Mitte", die - na so ein Zufall - gerade 37% des Einkommenssteueraufkommens zu tragen haben. Der ist schon ein Fuchs, der Guido!
Quelle: Der Untergang des Abendprogrammes (blog-Artikel vom 30.05.2008)

Zum Weiterlesen:

Der feine Unterschied oder: Warum derjenige, der eine Steuer zahlt, nicht notwendigerweise auch derjenige ist, der sie trägt.

Ungleiche Gleichbehandlung


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Neues vom Bundestag: Schwarz-Gelbes Chaos

Dass mir nachher aber keiner sagt, so etwas hätte man ja nun wirklich nicht ahnen können ...



Von berlin by bike

;-)

Fast vergessen: Nach der Wahl scheint eine Fusion ins Haus zu stehen:

Von berlin by bike


Mehr zur Hungerlohnpartei gibts hier.

Bilder anklicken für Anzeige in voller Größe.

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Samstag, 19. September 2009

Fear and Loathing in Hamburg City

Ein Qualitätsmedium berichtet:

Merkel ist gekommen, weil sie Bundeskanzlerin bleiben will, dicht gedrängt stehen rund 2000 Menschen vor der Bühne. Es sind zum großen Teil keine Fans, Merkel wird von einem Pfeifkonzert begrüßt.
[...]
Die Kanzlerin beginnt ihre Rede - "Yeah!", schallt es aus der Menge, und danach gleich wieder, "Yeah!".
[...]
CDU-Anhänger mit orangefarbenen Merkel-Bannern blicken säuerlich zu den gut drei Dutzend jungen Menschen, die im Abstand von zehn Sekunden zu ihrem nächsten "Yeah!" ansetzen.
[...]
Das pubertäre Stören ihrer Politikveranstaltung muss auch Angela Merkel wahrnehmen, so laut und penetrant tönt es ihr entgegen. Aber sie ist viel zu sehr Profi, als dass sie sich irgend etwas anmerken lassen würde. Stattdessen ballt sie ihre Faust und spricht über die Wiedervereinigung und über Familienpolitik.
[...]
Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen? [...] In Großbritannien stürmte die Polizei in Kampfmontur und mit einem Hubschrauber die Feier von einem Dutzend Freunden, die sich im Internet verabredet hatten.
[...]
Und wie steht es mit einer politischen Botschaft?

Ja - wie steht es eigentlich mit der politischen Botschaft?

Yes we can! - Wir haben die Kraft! - Deutschland kann es besser! - Dieses Land kann mehr! - Wir wählen die Kanzlerin! - Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen! - Aus der Krise hilft nur Grün! - Reichtum für alle! - Gemeinsam für unser Land! - Yeah!

Passt doch prima zusammen.

Im Übrigen ist Merkels "sich nichts anmerken lassen" (Merkless?) geradezu symptomatisch für den Zustand der politischen Klasse in diesem Land - Man/frau/mensch/etwas [das Merkel!] ist Realist(in) und was sich der eigenen Vorstellung von der Realität nicht fügen will, wird einfach ausgeblendet. Die Realität hat anders auszusehen - "politikkompatibel" gewissermaßen. Und die "Qualitätsmedien" leben längst im gleichen Film: Ein paar Menschen, die mit vereinten Stimmen "Yeah!" rufen verbreiten Angst und Schrecken (Terror!) - Oh! wie erleichtert wären wir doch, wenn dieser grässliche "Terror" auch hierzulande von einer Hundertschaft freundlich auftretender Freunde und Helfer in Kampfmontur jederzeit zügig unterbunden würde.

Von berlin by bike
Auch eine "Realität": Friedliebende Ordnungshüter auf der Flucht vor Luftballon schwingender Terroristin.




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